Homo futurus

Der aktuelle Umbruch stellt viele Menschen vor die Entscheidung, in welche Richtung

sie sich entwickeln möchten — zum technischen oder zum spirituellen Menschen.

Vor etwa 100.000 Jahren eroberte Homo sapiens die Erde und bildete im Westen eine Kultur aus, die ihren Mitgliedern Sinn und Orientierung schenkte. Hierzu gehörte die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht und den damit verbundenen Rollen, mit Familie, Nation und Religion, mit Kunst und Kultur, einem Wirtschafts- und Sozial-, Rechts- und Politiksystem. Diese Stützen bre- chen in der westlichen Kultur immer mehr weg oder werden weggebrochen. So radikal, dass es oft keinen Weg zurück zur „alten Normalität“ mehr zu geben scheint. Wie aber kann eine menschenwürdige neue aussehen? Und wie können wir sie herbeiführen? Pflanzen und Tiere haben kaum individuelle Freiheiten. Bei Menschen ist das anders. Innerhalb gewisser Grenzen können sie selbst entscheiden, in welche Richtung sie sich weiterentwickeln möchten. Doch auf welcher Basis? Künftige Möglichkeiten hängen stark von der gegenwärtigen Realität ab, von der Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ Die in westlichen Gesellschaften seit Descartes vorherrschende Antwortet lautet: Der Mensch ist eine Maschine. Äußerst komplex zwar, und noch sind nicht alle Rädchen erforscht. Doch im Prinzip funktionieren Menschen wie Maschinen und sollten auch so behandelt werden. Folglich werden Knöpfe gedrückt, Substanzen eingebracht, Teile ausgewechselt. Und selbstvers- tändlich wissen Maschinen nicht selbst, ob sie richtig funktionieren. Darum müssen sie ständig überwacht und kontrolliert werden. Diesem Selbstbild entspricht das Weltbild des Materialismus, das in der gegenwärtigen Krise sehr eindrücklich inszeniert wird.

Homo technicus — ein Kind des

Materialismus

Da werden Moleküle als zackenbewehrte Kügelchen dargestellt. Die fliegen nun durch die Luft und stürzen sich in die nächstbeste Nase, die sie finden können, dringen ein und machen den Nasenträger unweigerlich krank. Schützen können angeblich nur materielle Barrieren wie Abstand oder Maske sowie Chemikalien und schließlich die gentechnische Veränderung des Menschen. Dabei wird der Machbarkeitswahn, der sich anschickt, die Natur zu kontrollieren, auf die Spitze getrieben und entlarvt sich schlussendlich als hilflos und lächerlich, denn jedem, der die Statistiken analysiert und die Fallzahlen in Ländern mit und ohne Maßnahmen vergleicht, springt sofort ins Auge: Diese Zahlen hängen in erster Linie von der Jahreszeit und der Teststrategie ab, nicht aber von den Maßnahmen. Spricht er das aus, wird er mit einer moralischen Keule niedergestreckt oder in eine Schublade gesteckt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Thema zu tun hat. Emotional aufgeheizt wird die Debatte vor allem durch die planmäßig geschürte Angst vor dem Tod. Dafür, diesem auch nur eine einzige Sekunde abzuringen, erscheint kein Opfer zu groß, denn der Geist ist in diesem Mindset nur ein Sekret des Gehirns. Stirbt dieses, dann bleibt nichts übrig vom Menschen. Dann gibt es kein Wahrnehmen, Denken oder Fühlen mehr. Und darüber hinaus gibt es angeblich nichts. Hat es nie gegeben.

Transhumanismus auf technischem

Wege

Eine Weiterentwicklung des Menschen kann diesem Weltbild zufolge nur auf materiellem, auf technischem Wege geschehen. Für Sinne und Körperteile gibt es Funktionshilfen, Operationen und Implantate. Die DNS wird verändert. Und die Verbindung zwischen Geist und Computer wird immer enger bis hin zur totalen Verschmelzung. Beispielsweise standen Rechenanlagen früher im Keller einzelner Unternehmen oder Institutionen. Später in fast jedem Haus. Inzwischen ist das Smartphone vielen Menschen ganz dicht auf die Pelle gerückt — in die Hand oder Hosen- tasche. Immer öfter auch ans Handgelenk, damit es die Vitalfunktionen über- wachen und kontrollieren kann. Als Chips und Nanobots dringen sie in den Körper ein, bis dieser schließlich aufgegeben wird, weil der Geist in einen Computer überführt werden soll, um ihn unsterblich zu machen, damit er ewig lebt. Oder zumindest so lange, wie die Stromversorgung gesichert ist. Wie weit die Pläne und technischen Möglichkeiten bereits gediehen sind, enthüllt zum Beispiel ein Papier über die biodigitale Konvergenz (1), das auf 2020news (2) besprochen wird. Den meisten Menschen gruselt es angesichts solcher Zukunftsvisionen. Vielen ist unwohl angesichts der forcierten Digitalisierung, die Tracing und Tracking, Überwachung und Zensur Tür und Tor öffnet. Und einige spüren, dass bei dieser Form der Weiterentwicklung das Menschliche verloren geht.

Zurück zum Homo

Ganz offensichtlich führen einige Menschen, die zu viel Macht und Geld an sich raffen konnten, Krieg gegen das Menschliche, und es ist an uns, dieses wieder zu entdecken und zu leben. Deshalb können wir uns nun fragen: Was ist menschlich? Was unterscheidet Menschen von Robotern? Hierzu gehört meines Erachtens das klare, eigenständige Denken. Dies beginnt mit dem möglichst unvoreingenommenen Sammeln von Fakten, die bewertet und in eine eigene Perspektive gegossen werden. Eine Perspektive, die grund- sätzlich offen, hinterfragbar und jederzeit revidierbar ist. Und sie ist individuell, während Roboter immer zu ein und demselben vorprogrammierten Ergebnis kommen. Gefühle sind ihnen fremd. Diese werden bei Menschen gern zur Programmie- rung benutzt. Doch das funktioniert nicht automatisch. Egal wie heftig zum Beispiel der Angst-Button gedrückt wird — viele Menschen können sich selbst regulieren. Statt auf echte oder vermeintliche Bedrohungen automatisch zu reagieren, können sie individuell antworten. Oder dies lernen. Beispielsweise im Rahmen eines Achtsamkeitstrainings, das helfen kann, den Geist zu klären, das Herz zu öffnen und ein menschenwürdiges Dasein zu führen. Menschen wollen und können — anders als Roboter — singen und spielen, tanzen und lachen, lieben und kreativ sein, etwas Neues erfinden. Gerade die Schöpferkraft hat die menschliche Entwicklung vorangetrieben. Und fast alle Menschen wenden sie auf die eine oder andere Weise an. Manche lieben es, mit den Händen etwas Neues zu gestalten, im Garten oder in der Küche. Andere erschaffen eine Vision für ihr Leben und die Gesellschaft und entwickeln immer wieder neue Ideen, sie umzusetzen. Wieder andere stehen im Beruf oder in zwischenmenschlichen Beziehungen gelegentlich vor einer Wand, wissen nicht weiter, finden keine Lösung für brennende Fragen. Wenn sie nach der nötigen „Brutzeit“ loslassen, kann eine genau richtige Lösung „schlüpfen“, wild und unvorhersehbar. Roboter machen auch keine parapsychischen Erfahrungen. Viele Menschen dagegen haben zum Beispiel immer mal wieder „was im Urin“. Oder sie wissen, wer — ganz unangekündigt und außer der Reihe — gerade anruft, noch ehe sie aufs Display geschaut haben. Von außerkörperlichen Erfahrungen, Reinkarnations- oder Nahtoderfahrungen können auch sehr viel mehr Menschen berichten, wenn man ihnen denn zuhören wollte.

Der bröckelnde Materialismus

Die Aggressivität, mit der solche Erfahrungen mitsamt den Ergebnissen seriöser, akademischer Forschung negiert, diffamiert und lächerlich gemacht werden, deutet darauf hin, dass das materialistische Weltbild um sein Überleben kämpft, nachdem es bereits seit Langem bröckelt. Kann es doch nicht einmal den Placebo-Effekt erklären, also die Tatsache, dass zum Beispiel eine Pille ohne jeden Wirkstoff Schmerzen lindert, allein, weil ein Mensch an deren Wirkung glaubt. Und jeder, der schon einmal beschlossen hat, seinen Arm zu heben, um dann zu beobachten, wie er sich tatsächlich hebt, mag sich fragen: Wie konnte mein Geist auf Materie einwirken, obwohl diese angeblich das Primäre ist? Steif und fest erklären Materialisten genau das für wahr. So, wie frühere Wissenschaftler es für wahr erklärten, dass die Sonne sich um die Erde dreht. So fest waren sie davon überzeugt, dass sie nicht einmal durch Galileo Galileis Fernrohre schauen mussten. Entsprechende „Fernrohre“ gibt es zum Beispiel in der Physik seit fast hundert Jahren mit dem Doppelspalt-Versuch, in dem sich zeigt: Will ein Wissenschaft- ler eine Welle messen, misst er eine Welle. Will er ein Teilchen finden, findet er ein Teilchen. Also determiniert sein Bewusstsein den Ausgang des Experiments. Auch das sogenannte Bell’sche Theorem konnte bereits vor fast fünfzig Jahren bewiesen werden. Damals zeigten Stuart Freedman und John Clauser, dass zwei Teilchen, die irgendwann einmal zusammen waren, weiterhin verbunden bleiben. Diese sogenannte Quantenverschränkung lässt sich mittlerweile auch bei makroskopischen Objekten nachweisen.

Spiritualität versus Religion

Von Einheit und Allverbundenheit sprechen auch Menschen, die ihre spiritu- ellen Erfahrungen in — immer unzureichende — Worte kleiden möchten. Wohlgemerkt: Hier ist von Spiritualität die Rede, von persönlichen Erfahrungen mit einer Dimension jenseits von Körper und Geist. Nicht von Religion, die mit Dogmen und Ritualen operiert und bei der eine herrschende Kaste das zu Glaubende diktiert. Religionen sind in unserer Kultur seit Jahrzehnten auf dem Rückmarsch. In diese Lücke traten oft säkulare Religionen, zum Beispiel rund um Themen wie Klima oder Ernährung. Auch bei der aktuellen Krise lässt sich beobachten, wie manche Gläubige mit religiöser Inbrunst ihre Masken tragen oder sich impfen lassen und sich dann geschützt und gesegnet fühlen. Bis sie auf dem harten Boden eines Impfscha- dens oder einer Covid-19-Erkrankung aufschlagen. Glücklicherweise gibt es — neben Materialismus und irrationaler Religion — die spirituelle Sicht auf die Welt. Diese lässt sich mit moderner Wissenschaft ebenso vereinbaren wie mit uralten Weisheitslehren, geht über beide hinaus und löst viele der bis dato unerklärlichen Rätsel, wie Steve Taylor in seinem Buch „Spiritual Science“ sehr eindrücklich zeigt.

Homo spiritus

Dabei geht es nicht nur um Einsicht und Philosophie, sondern um persönliche Erfahrungen. Schon 1966 formulierte Karl Rahner: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ Solche direkten Erfahrungen machen Menschen nicht nur im christlichen Kontext, sondern auch beim Yoga, im Buddhismus oder Taoismus, Sufismus oder Schamanismus. Oder ganz ohne -ismus. Entsprechende Lehren und Übungen sind längst im Mainstream angekommen — und werden von ihm bekämpft. So wurden sie vom Kapitalismus verein- nahmt als Tools, mit denen die Menschen sich zu noch fitteren und effizien- teren Rädchen im Ausbeutungsgetriebe optimieren sollten. Doch das funktio- nierte offenbar nicht wie gewünscht, denn diese Praktiken veränderten viele Menschen so, dass sie begannen, ein selbstbestimmtes Leben in Harmonie mit sich und der Welt zu führen. Das gemeinschaftliche Ausüben von spirituellen Praktiken wird nun seit über einem Jahr verboten oder erschwert. Ebenso wie die Erfahrung von Allverbun- denheit und bedingungsloser Liebe durch den Anblick von maskenbewehrten Menschen und das Schüren von Angst und Aggression. Doch was wäre, wenn wir die Herausforderung annehmen und die verordneten „Hanteln“ in die Hand nehmen würden, um unsere spirituellen Muskeln zu stärken? Tatsächlich wurden viele Menschen durch die Verordnungen zum Anhalten gezwungen, auf sich selbst zurückgeworfen. Und gerade hier, in ihrem tiefsten Inneren mögen sie bedingungslose Liebe erfahren, reine Freude oder einen Frieden, der alles Begreifen übersteigt. Unabhängig von äußeren Umständen oder der Identifikation mit Familie oder Beruf, Kunst, Kultur und anderen Stützen der westlichen Kultur, die vielen Menschen genommen wurden.

Transhumanismus der göttlichen Art

Solche Erfahrungen transformieren den Einzelnen und schließlich auch die Gesellschaft, wenn diese Menschen hinausgehen in die Welt, über sich hinauswachsen und neue Lebensformen entwickeln. Dabei können sie die Technik nutzen, ohne sich von ihr benutzen zu lassen. Sie leben ihre menschliche Natur, mutig und mit Freuden, ohne sich damit zu identifizieren. Und sie kultivieren auf ihre ganz eigene Weise die Verbindung mit dem, was über sinnliche Wahrnehmungen, Denken und Fühlen hinausgeht. Dabei klärt sich auch die Frage: „Matter over Mind?“ oder „Mind over Matter?“ Manchmal mag die Materie stärker sein. Manchmal der Geist. Besonders wenn er sich mit dem Göttlichen, mit dem All-Seienden, dem All-Guten verbindet. Letztendlich aber mag sich herausstellen, dass die Materie selbst bewusst ist, dass das Universum liebt. Und antwortet. Stellen wir ihm die richtigen Fragen. Danach, wer wir wirklich sind. Und wie wir leben möchten.

Quellen und Anmerkungen:

Steve Taylor, Spiritual Science, Watkins Publishing, 2018
Foto: Unsplash
Roboter
Datum 23.06.2021 von Karin Burschik
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Hinweis zum Beitrag: Der vorliegende Text erschien zuerst im „Rubikon – Magazin für die kritische Masse“. Da die Veröffentlichung unter freier Lizenz (Creative Commons) erfolgte, übernimmt Futureway diesen Text in der Zweitverwertung und weist freundlich darauf hin, dass freie Medien wie Rubikon auf Spenden angewiesen sind.
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Vor etwa 100.000 Jahren eroberte Homo sapiens die Erde und bildete im Westen eine Kultur aus, die ihren Mitgliedern Sinn und Orientierung schenkte. Hierzu gehörte die Identifikation mit dem eigenen Geschlecht und den damit verbundenen Rollen, mit Familie, Nation und Religion, mit Kunst und Kultur, einem Wirtschafts- und Sozial-, Rechts- und Politik- system. Diese Stützen brechen in der westlichen Kultur immer mehr weg oder werden weggebro- chen. So radikal, dass es oft keinen Weg zurück zur „alten Normalität“ mehr zu geben scheint. Wie aber kann eine menschenwürdige neue aussehen? Und wie können wir sie herbeiführen? Pflanzen und Tiere haben kaum individuelle Frei- heiten. Bei Menschen ist das anders. Innerhalb gewisser Grenzen können sie selbst entscheiden, in welche Richtung sie sich weiterentwickeln möchten. Doch auf welcher Basis? Künftige Möglichkeiten hängen stark von der gegen- wärtigen Realität ab, von der Antwort auf die Frage „Wer bin ich?“ Die in westlichen Gesellschaften seit Descartes vorherrschende Antwortet lautet: Der Mensch ist eine Maschine. Äußerst komplex zwar, und noch sind nicht alle Rädchen erforscht. Doch im Prinzip funktionieren Menschen wie Maschinen und sollten auch so behandelt werden. Folglich werden Knöpfe gedrückt, Substanzen eingebracht, Teile ausgewech- selt. Und selbstverständlich wissen Maschinen nicht selbst, ob sie richtig funktionieren. Darum müssen sie ständig überwacht und kontrolliert werden. Diesem Selbstbild entspricht das Weltbild des Materialismus, das in der gegenwärtigen Krise sehr eindrücklich inszeniert wird.

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Da werden Moleküle als zackenbewehrte Kügelchen dargestellt. Die fliegen nun durch die Luft und stürzen sich in die nächstbeste Nase, die sie finden können, dringen ein und machen den Nasenträger unweigerlich krank. Schützen können angeblich nur materielle Barrieren wie Abstand oder Maske sowie Chemikalien und schließlich die gentechnische Veränderung des Menschen. Dabei wird der Machbarkeitswahn, der sich an- schickt, die Natur zu kontrollieren, auf die Spitze getrieben und entlarvt sich schlussendlich als hilflos und lächerlich, denn jedem, der die Statistiken ana- lysiert und die Fallzahlen in Ländern mit und ohne Maßnahmen vergleicht, springt sofort ins Auge: Diese Zahlen hängen in erster Linie von der Jahres- zeit und der Teststrategie ab, nicht aber von den Maßnahmen. Spricht er das aus, wird er mit einer moralischen Keule niedergestreckt oder in eine Schublade gesteckt, die nichts, aber auch gar nichts mit dem Thema zu tun hat. Emotional aufgeheizt wird die Debatte vor allem durch die planmäßig geschürte Angst vor dem Tod. Dafür, diesem auch nur eine einzige Sekunde abzuringen, erscheint kein Opfer zu groß, denn der Geist ist in diesem Mindset nur ein Sekret des Gehirns. Stirbt dieses, dann bleibt nichts übrig vom Men- schen. Dann gibt es kein Wahrnehmen, Denken oder Fühlen mehr. Und darüber hinaus gibt es angeblich nichts. Hat es nie gegeben.

Transhumanismus auf

technischem Wege

Eine Weiterentwicklung des Menschen kann diesem Weltbild zufolge nur auf materiellem, auf techni- schem Wege geschehen. Für Sinne und Körperteile gibt es Funktionshilfen, Operationen und Implan- tate. Die DNS wird verändert. Und die Verbindung zwischen Geist und Computer wird immer enger bis hin zur totalen Verschmelzung. Beispielsweise standen Rechenanlagen früher im Keller einzelner Unternehmen oder Institutionen. Später in fast jedem Haus. Inzwischen ist das Smart- phone vielen Menschen ganz dicht auf die Pelle gerückt — in die Hand oder Hosen-tasche. Immer öfter auch ans Handgelenk, damit es die Vitalfunk- tionen über-wachen und kontrollieren kann. Als Chips und Nanobots dringen sie in den Körper ein, bis dieser schließlich aufgegeben wird, weil der Geist in einen Computer überführt werden soll, um ihn unsterblich zu machen, damit er ewig lebt. Oder zumindest so lange, wie die Stromversorgung gesichert ist. Wie weit die Pläne und technischen Möglichkeiten bereits gediehen sind, enthüllt zum Beispiel ein Papier über die biodigitale Konvergenz (1), das auf 2020news (2) besprochen wird. Den meisten Menschen gruselt es angesichts solcher Zukunftsvisionen. Vielen ist unwohl angesichts der forcierten Digitalisierung, die Tracing und Tracking, Überwachung und Zensur Tür und Tor öffnet. Und einige spüren, dass bei dieser Form der Weiterent- wicklung das Menschliche verloren geht.

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Der bröckelnde

Materialismus

Die Aggressivität, mit der solche Erfahrungen mitsamt den Ergebnissen seriöser, akademischer Forschung negiert, diffamiert und lächerlich gemacht werden, deutet darauf hin, dass das materialistische Weltbild um sein Überleben kämpft, nachdem es bereits seit Langem bröckelt. Kann es doch nicht einmal den Placebo-Effekt erklären, also die Tatsache, dass zum Beispiel eine Pille ohne jeden Wirkstoff Schmerzen lindert, allein, weil ein Mensch an deren Wirkung glaubt. Und jeder, der schon einmal beschlossen hat, seinen Arm zu heben, um dann zu beobachten, wie er sich tatsächlich hebt, mag sich fragen: Wie konnte mein Geist auf Materie einwirken, obwohl diese angeblich das Primäre ist? Steif und fest erklären Materialisten genau das für wahr. So, wie frühere Wissenschaftler es für wahr erklärten, dass die Sonne sich um die Erde dreht. So fest waren sie davon überzeugt, dass sie nicht einmal durch Galileo Galileis Fernrohre schauen mussten. Entsprechende „Fernrohre“ gibt es zum Beispiel in der Physik seit fast hundert Jahren mit dem Doppelspalt-Versuch, in dem sich zeigt: Will ein Wissenschaft-ler eine Welle messen, misst er eine Welle. Will er ein Teilchen finden, findet er ein Teil- chen. Also determiniert sein Bewusstsein den Aus- gang des Experiments. Auch das sogenannte Bell’sche Theorem konnte bereits vor fast fünfzig Jahren bewiesen werden. Damals zeigten Stuart Freedman und John Clauser, dass zwei Teilchen, die irgendwann einmal zusam- men waren, weiterhin verbunden bleiben. Diese sogenannte Quantenverschränkung lässt sich mittlerweile auch bei makroskopischen Objekten nachweisen.

Spiritualität versus

Religion

Von Einheit und Allverbundenheit sprechen auch Menschen, die ihre spiritu-ellen Erfahrungen in — immer unzureichende — Worte kleiden möchten. Wohlgemerkt: Hier ist von Spiritualität die Rede, von persönlichen Erfahrungen mit einer Dimension jenseits von Körper und Geist. Nicht von Religion, die mit Dogmen und Ritualen operiert und bei der eine herrschende Kaste das zu Glaubende diktiert. Religionen sind in unserer Kultur seit Jahrzehnten auf dem Rückmarsch. In diese Lücke traten oft säkulare Religionen, zum Beispiel rund um Themen wie Klima oder Ernährung. Auch bei der aktuellen Krise lässt sich beobachten, wie manche Gläubige mit religiöser Inbrunst ihre Masken tragen oder sich impfen lassen und sich dann geschützt und gesegnet fühlen. Bis sie auf dem harten Boden eines Impfscha-dens oder einer Covid-19-Erkrankung aufschlagen. Glücklicherweise gibt es — neben Materialismus und irrationaler Religion — die spirituelle Sicht auf die Welt. Diese lässt sich mit moderner Wissenschaft ebenso vereinbaren wie mit uralten Weisheitslehren, geht über beide hinaus und löst viele der bis dato unerklärlichen Rätsel, wie Steve Taylor in seinem Buch „Spiritual Science“ sehr eindrücklich zeigt.

Homo spiritus

Dabei geht es nicht nur um Einsicht und Philosophie, sondern um persönliche Erfahrungen. Schon 1966 formulierte Karl Rahner: „Der Fromme von morgen wird ein Mystiker sein, einer, der etwas erfahren hat, oder er wird nicht mehr sein.“ Solche direkten Erfahrungen machen Menschen nicht nur im christlichen Kontext, sondern auch beim Yoga, im Buddhismus oder Taoismus, Sufismus oder Schamanismus. Oder ganz ohne -ismus. Entsprechende Lehren und Übungen sind längst im Mainstream angekommen — und werden von ihm bekämpft. So wurden sie vom Kapitalismus verein- nahmt als Tools, mit denen die Menschen sich zu noch fitteren und effizien-teren Rädchen im Aus- beutungsgetriebe optimieren sollten. Doch das funktio-nierte offenbar nicht wie gewünscht, denn diese Praktiken veränderten viele Menschen so, dass sie begannen, ein selbstbestimmtes Leben in Harmonie mit sich und der Welt zu führen. Das gemeinschaftliche Ausüben von spirituellen Praktiken wird nun seit über einem Jahr verboten oder erschwert. Ebenso wie die Erfahrung von Allverbundenheit und bedingungsloser Liebe durch den Anblick von maskenbewehrten Menschen und das Schüren von Angst und Aggression. Doch was wäre, wenn wir die Herausforderung annehmen und die verordneten „Hanteln“ in die Hand nehmen würden, um unsere spirituellen Muskeln zu stärken? Tatsächlich wurden viele Menschen durch die Verordnungen zum Anhalten gezwungen, auf sich selbst zurückgeworfen. Und gerade hier, in ihrem tiefsten Inneren mögen sie bedingungslose Liebe erfahren, reine Freude oder einen Frieden, der alles Begreifen übersteigt. Unabhängig von äußeren Umständen oder der Identifikation mit Familie oder Beruf, Kunst, Kultur und anderen Stützen der west- lichen Kultur, die vielen Menschen genommen wurden.

Transhumanismus der

göttlichen Art

Solche Erfahrungen transformieren den Einzelnen und schließlich auch die Gesellschaft, wenn diese Menschen hinausgehen in die Welt, über sich hin- auswachsen und neue Lebensformen entwickeln. Dabei können sie die Technik nutzen, ohne sich von ihr benutzen zu lassen. Sie leben ihre menschliche Natur, mutig und mit Freuden, ohne sich damit zu identifizieren. Und sie kultivieren auf ihre ganz eige- ne Weise die Verbindung mit dem, was über sinnliche Wahrnehmungen, Denken und Fühlen hinausgeht. Dabei klärt sich auch die Frage: „Matter over Mind?“ oder „Mind over Matter?“ Manchmal mag die Mate- rie stärker sein. Manchmal der Geist. Besonders wenn er sich mit dem Göttlichen, mit dem All-Seien- den, dem All-Guten verbindet. Letztendlich aber mag sich herausstellen, dass die Materie selbst bewusst ist, dass das Universum liebt. Und antwortet. Stellen wir ihm die richtigen Fragen. Danach, wer wir wirklich sind. Und wie wir leben möchten.

Quellen und

Anmerkungen:

Steve Taylor, Spiritual Science, Watkins Publishing, 2018
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