Ende der Kohle

Bisherige Subventionen müssen umgeleitet werden und dem sozialen

und ökonomischen Strukturwandel dienen.

Kohle
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Das Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) ist eine gemeinsame Gründung der Stiftung Mercator und des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK).
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Um die Kohlenutzung unattraktiver zu gestalten sind folgende Maßnahmen nötig: Die Marktpreise müssen die wahren Kosten der Kohleverstromung wider- spiegeln, etwa für Gesundheit und Umwelt widerspiegeln Wegfall direkter und indirekter Subventionen sowie die Einführung von CO 2 -Preisen Barriere der hohen Finanzierungskosten reduzieren: Mit Hilfe von Partner wie Entwicklungsbanken können Finanzmarktstabilität abgefedert und Risiken verlagert werden Kompensationszahlungen für Einkommensverluste ärmer Menschen Das Beispiel Braunkohle in Deutschland zeigt, dass der Strukturwandel sozial abgefedert werden kann, indem man in die Beschäftigten selbst anstatt in die Unternehmen investiert. Neben Zahlungen von Gehaltseinbußen oder Umschu- lungen, ist auch eine Finanzierung des Vorruhestandes möglich. Denn ein Drittel der Beschäftigten ist bereits heute über 55 Jahre alt. Jährlich gehen 10% der Beschäftigten ohnehin in den Ruhestand.
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Die Kohlekraftwerksleistung mit massiven CO 2 -Emissionen hat enorme Auswirkungen auf die Klimaerwärmung. Im Jahr 2018 war laut Carbon Brief ein Anstieg der CO 2 -Emissionen aus der Kohleverstromung um rund drei Prozent für 50 Prozent des weltweiten Anstiegs der Emissionen aus fossilen Brennstoffen verantwortlich. Die Reduzierung der Kohleverstromung spielt eine zentrale Rolle bei der Erreichung der globalen Klimaziele. Der einzige Weg ist der schnellere Kohleausstieg mit einem zügigen Ausbau Erneuerbarer Energien. Das folgende Diagramm zeigt, die notwendige Reduktionserfordernisse für ein 1,5° und 2°Linie. Das bedeutet, dass bestehende Kohlekraftwerke viel früher als die jüngsten Durchschnittswerte geschlossen werden und/oder bis zu ihrer Stilllegung weit unter ihrer installierten Kapazität arbeiten müssen, um die Klimaziele zu erreichen. Dies gilt vor allem wenn man neue in Entstehung befindliche Kohlekraftwerke berücksichtigt.
Climate Analytics, die Klima-NGO, argumentiert, dass die wohlhabenderen OECD- und EU-Länder (gelbe Säulen in der obigen Grafik) ihre Kohleflotten bis 2030 auslaufen lassen sollten, da diese Länder über mehr Ressourcen für einen raschen Übergang zu sauberer Energie verfügen. Die Powering Past Coal Alliance (PPCA) schätzt, dass 58% der EU- und OECD- Länder bis 2030 kohlefrei sein könnten. In Deutschland haben Bundestag und Bundesrat den Ausstieg aus der Kohleverstromung per Gesetz am 3. Juli 2020 beschlossen. Deutschland will bis spätestens 2038, ggf. 2035, aus der Kohleverstromung aussteigen. 2020 sind erste Braunkohle-Kraftwerke stillgelegt worden.
EU und OECD Kohlekraftwerke müssen schneller schließen, um die globalen Klimaziele zu erreichen Potenzielle Ausgabe der aktuellen Kapazität im Vergleich zu zielkonformen Pfaden 10,000 8,000 6,000 4,000 2,000 0 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 China Andere IPCC 1,5°C IPCC 2°C Terawattstunden
Abbildung: Globale Kohleerzeugung zwischen 2020 und 2050 auf Wegen, die die Erwärmung auf 1-5 ° C (schwarze Linie) oder deutlich unter 2 ° C (gestrichelte Linie) begrenzen. Die farbigen Spalten zeigen die geschätzte globale Produktion bestehender Anlagen, aufgeschlüsselt nach Regionen, unter der Annahme einer Lebensdauer von 40 Jahren und eines Auslastungsfaktors von 51%, die die Durchschnittswerte von 2019 waren. Es wird angenommen, dass Anlagen, die bereits 40 Jahre oder älter sind, noch fünf Jahre in Betrieb sind. Quelle: Global Coal Plant Tracker, Juli 2020. Diagramm von Carbon Brief nutzen Highcharts.
Braunkohle Infografik zum Kohleausstieg Kapazitätsangaben beziehen sich auf das jeweilige Jahresende 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 Basis Steinkohle Zielpfad Kohleausstiegsgesetz Verbleibende Kohlekraftwerkskapazität in Gigawatt 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 21,6 17,6 16,1 15,0 12,4 10,9 9,9 9,5 8,0 8,0 8,0 8,0 6,1 3,9 1,8 0,8 0,0 0,0 0,0 0,0 18,1 17,8 16,8 15,0 14,9 14,9 14,0 14,0 13,4 11,8 8,8 8,8 8,8 8,8 8,8 7,9 6,2 6,2 6,2 Kraftwerke am Strommmarkt nach BNetzA inkl. Datteln IV Zielwert KWSB 30 Gigawatt mit je 15 Gigawatt Braun- und Steinkohle Sonderausschreibungen Kompensation Datteln IV Ausschreibung der zur Zielerreichung 2030 fehlenden Gesamtkapazität bei Steinkohle Zielwert KWSB 17 Gigawatt mit 9 Gigawatt Braun- und 8 Gigawatt Steinkohle Der Ausstiegspfad nach 2030 kann durch ein Vorziehen des Ausstiegsdatums auf 2035 steiler verlaufen
Abbildung: Infografik zum Kohleausstieg. So sieht der schrittweise Ausstieg aus der Kohle in Deutschland aus. Die verbleibende Kohlekraftwerkskapazität in Gigawatt sinkt bei Braunkohle bis zum Jahr 2038 nach unten. Bei der Steinkohle sinkt die Kapazität bereits 2034 fast auf Null. Ein Vorziehen aller Stilllegungen nach 2030 und damit ein Abschlussdatum 2035 ist möglich. Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Eine DIW Studie im Auftrag vom BUND stellt fest, dass die aktuellen Klimaschutzziele der Bundesregierung nicht kompatibel mit europäischen und globalen Zielen zur Senkung der klimaschädlichen Emissionen sind. Ohne weitere Emissionsminderungsmaßnahmen drohen selbst die Ziele der Bundesregierung erneut verfehlt zu werden. Die Emissionsminderungsziele für Deutschland müssen daher deutlich angehoben werden und durch Maßnahmen – wie einen schnelleren Kohleausstieg umgesetzt werden. Der von der Bundesregierung aktuell anvisierte Kohleausstieg weicht auch in entscheidenden Punkten von den Empfehlungen der Kohlekommission ab. Hierdurch werden im Zeitraum 2020 bis 2040 ca. 134 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid zusätzlich ausgestoßen. Dies betrifft insbesondere die zu späte Abschaltung von Braunkohlekraftwerken und die Inbetriebnahme vom Steinkohlekraftwerk Datteln IV. Ein Kohleausstieg im Einklang mit internationalen Klimaschutzzielen müsste bis zum Jahr 2030 erfolgen. Die Emissionen könnten in diesem Fall um 1,8 Milliarden Tonnen CO 2 niedriger sein und so die Pariser Klimaziele einhalten. Dies wäre auch technisch möglich, in dem Erneuerbare Energien schneller ausgebaut werden und die immer neuen Beschränkungen zum Ausbau Erneuerbarer Energien aufgehoben werden. Die aktuellen Pläne der Energiefirmen und der Bundesregierung sehen die Zerstörung mehrerer Dörfer in NRW und in der Lausitz vor. Die aktuellen Planungen des Tagebaus Hambach gefährden zudem das Überleben des Hambacher Waldes. Im noch förderbaren Teil des Tagebaus Hambach und Garzweiler lagern jedoch ausreichend Kohlemengen (ab Januar 2020 noch insgesamt 736 Millionen Tonnen Braunkohle), um den Weiterbetrieb der umliegenden Kraftwerke (ungefähr 672 Millionen Tonnen Braunkohle bei einem Kohleausstieg in 2038) sicherzustellen ohne weitere Dörfer umsiedeln zu müssen. Es besteht somit keine energiewirtschaftliche Notwendigkeit für den Ausbau der ursprünglich geplanten Tagebauflächen. Somit entfällt auch ein mögliches Allgemeinwohlinteresse an dem Aufsbau des Tagebaus. Für eine erfolgreiche Energiewende muss der Ausbau Erneuerbarer Energien schneller fortgesetzt werden. Ohne weitere Maßnahmen steuert die Bundesregierung auf einen Anteil von maximal 49% Erneuerbarer Energien in 2030 zu. Dies wäre eine klare Verfehlung der (bereits zu niedrigen) Ziele von 65%. Der PV-Deckel und diskutierte Mindestabstandsregeln für Windenergie müssen daher überarbeitet werden, um die Transformation nicht aufzuhalten. Für den benötigten beschleunigten Ausbau auf 75% in 2030 würden dagegen jährlich 9,8 GW Photovoltaik und 5,9 GW Wind Onshore zugebaut werden müssen. Die USA liegen mit 13% der weltweiten Kohleeinsatz nach China an zweiter Stelle und planen keine Reduktion. Auch Japan gehört nicht zu den OECD- Ländern, die einen Ausstieg aus der Kohleförderung planen. Während die japanische Regierung vor kurzem Pläne für die Stilllegung von 100 "ineffizienten" kohlebetriebenen Blöcken bis 2030 angekündigt hat, kommt die Analyse des in Japan ansässigen Kiko Network zu dem Schluss, dass Japan plant, bis 2030 mehr als 35 GW an Kohlekraftwerken in Betrieb zu nehmen. (Die Carbon Brief-Analyse kam zu einer ähnlichen Schlussfolgerung). Die Volksrepublik China, bisher größter Kohleverbraucher, plant einen weiteren Ausbau der Kohlekraft. Über 1.000 Gigawatt an Kohlekapazität sind in China installiert, das entspricht bereits der Hälfte der weltweit installierten Leistung. Und obwohl es bereits Überkapazitäten gibt, fordert die chinesische Kohleindustrie einen Ausbau auf 1.400 Gigawatt bis zum Jahr 2035. Gleichzeitig subventioniert China den Ausbau Erneuerbarer Energien, es wurden Verträge für Wind- und Solaranlagen abgeschlossen, die Strom zum gleichen Preis wie Kohlekraftwerke erzeugen. Für China legen jüngste Untersuchungen nahe, dass es billiger wäre, erneuerbare Energien rasch aufzubauen, als die Kohlekapazität weiter auszubauen. Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass der kostenoptimale Weg zur Begrenzung der gestrandeten Vermögenswerte im chinesischen Kohlesektor ein sofortiges Moratorium für den Neubau und eine 20- bis 30-jährige Begrenzung der Lebensdauer von Kohlekraftwerken sowie eine schrittweise Verringerung des Auslastungsgrades der verbleibenden Kapazitäten wäre. Länder auf der ganzen Welt sind dabei, ihre Wirtschaft nach der Coronavirus- Pandemie anzukurbeln. In diesem Zusammenhang könnte der Ersatz von Kohle durch saubere Energie bei den Wiederaufbaubemühungen Vorrang haben, da jüngste Analysen unter der Leitung des Thinktanks CarbonTracker darauf hindeuten, dass es bereits heute billiger ist, auf erneuerbare Energien zu bauen. Würden alle im Bau befindlichen und geplanten Kohlekraftwerke gebaut und bis zum Ende ihrer Lebensdauer betrieben, würden sie fast die Hälfte des restlichen CO 2 -Budgets aufbrauchen. Neben der steigenden Abhängigkeit von der Kohle verhindern wir außerdem die Förderung von CO 2 -ärmeren Technologien.
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Um die Kohlenutzung unattraktiver zu gestalten sind folgende Maßnahmen nötig: Die Marktpreise müssen die wahren Kosten der Kohleverstromung widerspiegeln, etwa für Gesundheit und Umwelt widerspiegeln Wegfall direkter und indirekter Subventionen sowie die Einführung von CO 2 -Preisen Barriere der hohen Finanzierungskosten redu- zieren: Mit Hilfe von Partner wie Entwicklungs- banken können Finanzmarktstabilität abgefe- dert und Risiken verlagert werden Kompensationszahlungen für Einkommensver- luste ärmer Menschen Das Beispiel Braunkohle in Deutschland zeigt, dass der Strukturwandel sozial abgefedert werden kann, indem man in die Beschäftigten selbst anstatt in die Unterneh-men investiert. Neben Zahlungen von Gehaltseinbußen oder Umschulungen, ist auch eine Finanzierung des Vorruhestandes möglich. Denn ein Drittel der Beschäftig-ten ist bereits heute über 55 Jahre alt. Jährlich gehen 10% der Beschäftigten oh- nehin in den Ruhestand.
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Die Kohlekraftwerksleistung mit massiven CO 2 - Emissionen hat enorme Auswirkungen auf die Klimaerwärmung. Im Jahr 2018 war laut Carbon Brief ein Anstieg der CO 2 -Emissionen aus der Kohleverstromung um rund drei Prozent für 50 Prozent des weltweiten Anstiegs der Emissionen aus fossilen Brennstoffen verantwortlich. Die Redu- zierung der Kohleverstromung spielt eine zentrale Rolle bei der Erreichung der globalen Klimaziele. Der einzige Weg ist der schnellere Kohleausstieg mit einem zügigen Ausbau Erneuerbarer Energien. Das folgende Diagramm zeigt, die notwendige Reduktionserfordernisse für ein 1,5° und 2°Linie. Das bedeutet, dass bestehende Kohlekraftwerke viel früher als die jüngsten Durchschnittswerte geschlossen werden und/oder bis zu ihrer Still- legung weit unter ihrer installierten Kapazität arbeiten müssen, um die Klimaziele zu erreichen. Dies gilt vor allem wenn man neue in Entstehung befindliche Kohlekraftwerke berücksichtigt.
Climate Analytics, die Klima-NGO, argumentiert, dass die wohlhabenderen OECD- und EU-Länder (gelbe Säulen in der obigen Grafik) ihre Kohleflotten bis 2030 auslaufen lassen sollten, da diese Länder über mehr Ressourcen für einen raschen Übergang zu sauberer Energie verfügen. Die Powering Past Coal Alliance (PPCA) schätzt, dass 58% der EU- und OECD-Länder bis 2030 kohlefrei sein könnten. In Deutschland haben Bundestag und Bundesrat den Ausstieg aus der Kohleverstromung per Gesetz am 3. Juli 2020 beschlossen. Deutschland will bis spätestens 2038, ggf. 2035, aus der Kohleverstro- mung aussteigen. 2020 sind erste Braunkohle- Kraftwerke stillgelegt worden.
Kohlekraftwerke müssen schneller schließen, um die globalen Klimaziele zu erreichen Potenzielle Ausgabe der aktuellen Kapazität im Vergleich zu zielkonformen Pfaden EU und OECD 10,000 8,000 6,000 4,000 2,000 0 2020 2025 2030 2035 2040 2045 2050 China Andere IPCC 1,5°C IPCC 2°C Terawattstunden
Abbildung: Globale Kohleerzeugung zwischen 2020 und 2050 auf Wegen, die die Erwärmung auf 1-5 ° C (schwarze Linie) oder deutlich unter 2 ° C (gestrichelte Linie) begrenzen. Die farbigen Spalten zeigen die geschätzte globale Produktion bestehender Anlagen, aufgeschlüsselt nach Regionen, unter der Annahme einer Lebensdauer von 40 Jahren und eines Auslastungsfaktors von 51%, die die Durchschnittswerte von 2019 waren. Es wird angenommen, dass Anlagen, die bereits 40 Jahre oder älter sind, noch fünf Jahre in Betrieb sind. Quelle: Global Coal Plant Tracker, Juli 2020. Diagramm von Carbon Brief nutzen Highcharts.
Braunkohle Infografik zum Kohleausstieg Kapazitätsangaben beziehen sich auf das jeweilige Jahresende 45 40 35 30 25 20 15 10 5 0 Basis Steinkohle Zielpfad Kohleausstiegsgesetz Verbleibende Kohlekraftwerkskapazität in Gigawatt 2020 2021 2022 2023 2024 2025 2026 2027 2028 2029 2030 2031 2032 2033 2034 2035 2036 2037 2038 21,6 17,6 16,1 15,0 12,4 10,9 9,9 9,5 8,0 8,0 8,0 8,0 6,1 3,9 1,8 0,8 0,0 0,0 0,0 0,0 18,1 17,8 16,8 15,0 14,9 14,9 14,0 14,0 13,4 11,8 8,8 8,8 8,8 8,8 8,8 7,9 6,2 6,2 6,2 Kraftwerke am Strommmarkt nach BNetzA inkl. Datteln IV Zielwert KWSB 30 Gigawatt mit je 15 Gigawatt Braun- und Steinkohle Sonderausschreibungen Kompensation Datteln IV Ausschreibung der zur Zielerreichung 2030 fehlenden Gesamtkapazität bei Steinkohle Zielwert KWSB 17 Gigawatt mit 9 Gigawatt Braun- und 8 Gigawatt Steinkohle Der Ausstiegspfad nach 2030 kann durch ein Vorziehen des Ausstiegsdatums auf 2035 steiler verlaufen
Abbildung: Infografik zum Kohleausstieg. So sieht der schrittweise Ausstieg aus der Kohle in Deutschland aus. Die verbleibende Kohlekraftwerkskapazität in Gigawatt sinkt bei Braunkohle bis zum Jahr 2038 nach unten. Bei der Steinkohle sinkt die Kapazität bereits 2034 fast auf Null. Ein Vorziehen aller Stilllegungen nach 2030 und damit ein Abschlussdatum 2035 ist möglich. Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit
Eine DIW Studie im Auftrag vom BUND stellt fest, dass die aktuellen Klimaschutzziele der Bundes- regierung nicht kompatibel mit europäischen und globalen Zielen zur Senkung der klimaschädlichen Emissionen sind. Ohne weitere Emissionsminde- rungsmaßnahmen drohen selbst die Ziele der Bundesregierung erneut verfehlt zu werden. Die Emissionsminderungsziele für Deutschland müssen daher deutlich angehoben werden und durch Maßnahmen – wie einen schnelleren Kohleausstieg umgesetzt werden. Der von der Bundesregierung aktuell anvisierte Kohleausstieg weicht auch in entscheidenden Punkten von den Empfehlungen der Kohlekommission ab. Hierdurch werden im Zeitraum 2020 bis 2040 ca. 134 Millionen Tonnen Kohlenstoffdioxid zusätzlich ausgestoßen. Dies betrifft insbesondere die zu späte Abschaltung von Braunkohlekraftwerken und die Inbetriebnahme vom Steinkohlekraftwerk Datteln IV. Ein Kohleaus- stieg im Einklang mit internationalen Klimaschutz- zielen müsste bis zum Jahr 2030 erfolgen. Die Emissionen könnten in diesem Fall um 1,8 Milliarden Tonnen CO 2 niedriger sein und so die Pariser Klima- ziele einhalten. Dies wäre auch technisch möglich, in dem Erneuerbare Energien schneller ausgebaut werden und die immer neuen Beschränkungen zum Ausbau Erneuerbarer Energien aufgehoben werden. Die aktuellen Pläne der Energiefirmen und der Bundesregierung sehen die Zerstörung mehrerer Dörfer in NRW und in der Lausitz vor. Die aktuellen Planungen des Tagebaus Hambach gefährden zudem das Überleben des Hambacher Waldes. Im noch förderbaren Teil des Tagebaus Hambach und Garzweiler lagern jedoch ausreichend Kohlemengen (ab Januar 2020 noch insgesamt 736 Millionen Tonnen Braunkohle), um den Weiterbetrieb der umliegenden Kraftwerke (ungefähr 672 Millionen Tonnen Braunkohle bei einem Kohleausstieg in 2038) sicherzustellen ohne weitere Dörfer umsie- deln zu müssen. Es besteht somit keine energiewirt- schaftliche Notwendigkeit für den Ausbau der ursprünglich geplanten Tagebauflächen. Somit entfällt auch ein mögliches Allgemeinwohlinteresse an dem Aufsbau des Tagebaus. Für eine erfolgreiche Energiewende muss der Ausbau Erneuerbarer Ener- gien schneller fortgesetzt werden. Ohne weitere Maßnahmen steuert die Bundesregierung auf einen Anteil von maximal 49% Erneuerbarer Energien in 2030 zu. Dies wäre eine klare Verfehlung der (be- reits zu niedrigen) Ziele von 65%. Der PV-Deckel und diskutierte Mindestabstandsregeln für Windenergie müssen daher überarbeitet werden, um die Trans- formation nicht aufzuhalten. Für den benötigten beschleunigten Ausbau auf 75% in 2030 würden dagegen jährlich 9,8 GW Photovoltaik und 5,9 GW Wind Onshore zugebaut werden müssen. Die USA liegen mit 13% der weltweiten Kohleeinsatz nach China an zweiter Stelle und planen keine Reduktion. Auch Japan gehört nicht zu den OECD- Ländern, die einen Ausstieg aus der Kohleförderung planen. Während die japanische Regierung vor kurzem Pläne für die Stilllegung von 100 "ineffizien- ten" kohlebetriebenen Blöcken bis 2030 angekün- digt hat, kommt die Analyse des in Japan ansässigen Kiko Network zu dem Schluss, dass Japan plant, bis 2030 mehr als 35 GW an Kohlekraftwerken in Betrieb zu nehmen. (Die Carbon Brief-Analyse kam zu einer ähnlichen Schlussfolgerung). Die Volksrepublik China, bisher größter Kohlever- braucher, plant einen weiteren Ausbau der Kohle- kraft. Über 1.000 Gigawatt an Kohlekapazität sind in China installiert, das entspricht bereits der Hälfte der weltweit installierten Leistung. Und obwohl es bereits Überkapazitäten gibt, fordert die chinesi- sche Kohleindustrie einen Ausbau auf 1.400 Giga- watt bis zum Jahr 2035. Gleichzeitig subventioniert China den Ausbau Erneuerbarer Energien, es wurden Verträge für Wind- und Solaranlagen ab- geschlossen, die Strom zum gleichen Preis wie Kohlekraftwerke erzeugen. Für China legen jüngste Untersuchungen nahe, dass es billiger wäre, erneuerbare Energien rasch aufzu- bauen, als die Kohlekapazität weiter auszubauen. Eine andere Studie kam zu dem Ergebnis, dass der kostenoptimale Weg zur Begrenzung der gestran- deten Vermögenswerte im chinesischen Kohle- sektor ein sofortiges Moratorium für den Neubau und eine 20- bis 30-jährige Begrenzung der Lebens- dauer von Kohlekraftwerken sowie eine schritt- weise Verringerung des Auslastungsgrades der verbleibenden Kapazitäten wäre. Länder auf der ganzen Welt sind dabei, ihre Wirt- schaft nach der Coronavirus-Pandemie anzukurbeln. In diesem Zusammenhang könnte der Ersatz von Kohle durch saubere Energie bei den Wiederaufbau- bemühungen Vorrang haben, da jüngste Analysen unter der Leitung des Thinktanks CarbonTracker darauf hindeuten, dass es bereits heute billiger ist, auf erneuerbare Energien zu bauen. Würden alle im Bau befindlichen und geplanten Kohlekraftwerke gebaut und bis zum Ende ihrer Lebensdauer betrieben, würden sie fast die Hälfte des restlichen CO 2 -Budgets aufbrauchen. Neben der steigenden Abhängigkeit von der Kohle verhin- dern wir außerdem die Förderung von CO 2 -ärmeren Technologien.