Kleidungsindustrie

Kleidung wird zunehmend schnelllebiger und unter gesundheits- sowie klimaschädlichen

Bedingungen hergestellt und gefährdet damit Produzent und Träger.

Kleidung
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1. Kleidung

Die Kleidungsindustrie zeigt die brutalen Auswirkungen eines Wirtschaftssys- tems, dass keine Rücksicht auf Menschen und die Umwelt nimmt. Das Streben nach immer mehr Gewinn und Dividenden führt in der Bekleidungsindustrie zu immer mehr Kollektionen zu immer günstigeren Preisen. Von 2000 bis 2015 hat sich die Anzahl der Kleidungskäufe weltweit verdoppelt, von etwa 50 Milliarden auf mehr als 100 Milliarden Kleidungsstücke. Bis 2030 soll sich der weltweite Bedarf an Kleidung nochmal fast verdoppeln. Für Bekleidung gaben die deutschen Haushalte 2018 780 Euro pro Kopf aus, das sind 64,9 Milliarden Euro im Jahr. 90 Prozent der in Deutschland verkauften Bekleidung wird importiert. Produziert wird hauptsächlich in Asien. China steht mit 50 Prozent der Produktion an der Spitze. Weitere Produktionsländer sind Indien, Bangladesch und die Türkei. Immer mehr Unternehmen produzieren auf- grund der noch günstigeren Preise inzwischen in Ländern wie Äthiopien, Kenia, Haiti, Kambodscha und Myanmar.

2. CO

2

-Ausstoß

Insgesamt 8 Prozent des weltweiten CO 2 -Verbrauchs kann der Bekleidungs- und Schuhindustrie zugeordnet werden. Das ist mehr als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

3. Ressourcen und Umweltvergiftung

In der Bekleidungsindustrie werden fast 20.000 Chemikalien, darunter auch Schwermetalle wie Kupfer, Arsen und Cadmium verwendet. Diese belasten Flüsse, Seen, Meere. Von etwa einem Viertel ist bekannt, dass es giftig für Wasserökosysteme und deren Lebewesen sind, einige auch krebserregend. Pro Kilogramm Kleidung wird rund ein Kilogramm Chemikalien verwendet. Für das Färben von einem Kilo Garn werden ca. 60 Liter Wasser benötigt. Dieses Wasser ist dann mit chemischen Zusätzen verunreinigt und wird ungefiltert als Abwasser eingeleitet. Insbesondere Baumwolle benötigt schon beim Anbau riesige Mengen Wasser mit dem Ergebnis, dass natürliche Wasserreservoirs, wie der Aralsee in Zentral- asien nahezu leergepumpt werden. Insgesamt verbraucht die Kleidungsindustrie etwa 10 Prozent des industriell genutzten Wassers. Ein Index für diese Verschmutzung ist das sogenannte „Graue Wasser“. Es zeigt die Menge an frischem Wasser an, die dazu nötig wäre, um das belastete Wasser im Boden so weit zu verdünnen, dass es wieder den Standards einer guten Wasserqualität entspricht. Im konventionellen Baumwollanbau kommen auf eine Tonne Baumwolle 266 Millionen Liter Graues Wasser. Laut dem New Standard Institute können 20 Prozent der industriellen Wasserverschmutzung dem Färben und Behandeln von Textilien zugeordnet werden. Ganze Flüsse werden verseucht. Wenn keine Ressourcen mehr vorhanden sind, wandern die Konzerne weiter ins nächste Land. Eine Studie des „Water Footprint Network“ zeigt, dass die Böden von Baum- wollplantagen mit Chemikalien komplett durchseucht sind. Beim Anbau von Bauwollen werden Unmengen an Pestiziden eingesetzt. 16 Prozent aller Insek- tizide weltweit werden auf Baumwollfeldern versprüht. Dabei machen diese nur 2,5 Prozent der weltweiten landwirtschaftlichen Fläche aus. Durch Regen und Bewässerung sickern die Substanzen in den Boden. Bei der Produktion von Kunstfaserkleidung gelangt Mikroplastik in Flüsse und Meere. Über 1,4 Billionen Mikrofasern befinden sich nach Schätzungen bereits in den Ozeanen wovon 35 Prozent aus der Kunstfaserkleidung kommen.

4. Internationalität

Transportwege für Kleidungsstück sind immens. Die Wertschöpfungskette (Anbau, Spinnerei, Färberei, Näherei) wird oft in spezialisierten Betrieben durch- geführt, die oft in unterschiedlichen Ländern liegen. So reisen die Kleidungsstücke dann mit Schweröl befüllten Großtankern um die halbe Welt bis sie im Geschäft landen.
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Abbildung: Wachstum des Bekleidungsumsatzes und Rückgang der Bekleidungsnutzung seit 2000. Quelle: Euromonitor International Apparel & Footwear 2016 Edition (volume sales trends 2005–2015); World Bank, World development indicators – GD (2017), Ellen-MacArthur- Stiftung, „A New Textiles Economy: Redesigning fashion’s future“
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Insgesamt 8 Prozent des weltweiten CO 2 -Verbrauchs kann der Bekleidungs- und Schuhindustrie zugeord- net werden. Das ist mehr als der gesamte Flug- und Schiffsverkehr zusammen.

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In der Bekleidungsindustrie werden fast 20.000 Chemikalien, darunter auch Schwermetalle wie Kupfer, Arsen und Cadmium verwendet. Diese be- lasten Flüsse, Seen, Meere. Von etwa einem Viertel ist bekannt, dass es giftig für Wasserökosysteme und deren Lebewesen sind, einige auch krebserre- gend. Pro Kilogramm Kleidung wird rund ein Kilogramm Chemikalien verwendet. Für das Färben von einem Kilo Garn werden ca. 60 Liter Wasser be- nötigt. Dieses Wasser ist dann mit chemischen Zusätzen verunreinigt und wird ungefiltert als Abwasser eingeleitet. Insbesondere Baumwolle benötigt schon beim Anbau riesige Mengen Wasser mit dem Ergebnis, dass natürliche Wasserreservoirs, wie der Aralsee in Zentralasien nahezu leergepumpt werden. Insgesamt verbraucht die Kleidungsindustrie etwa 10 Prozent des industriell genutzten Wassers. Ein Index für diese Verschmutzung ist das soge- nannte „Graue Wasser“. Es zeigt die Menge an fri- schem Wasser an, die dazu nötig wäre, um das belastete Wasser im Boden so weit zu verdünnen, dass es wieder den Standards einer guten Wasserqualität entspricht. Im konventionellen Baumwollanbau kommen auf eine Tonne Baumwolle 266 Millionen Liter Graues Wasser. Laut dem New Standard Institute können 20 Prozent der industriellen Wasserverschmutzung dem Färben und Behandeln von Textilien zugeord- net werden. Ganze Flüsse werden verseucht. Wenn keine Ressourcen mehr vorhanden sind, wandern die Konzerne weiter ins nächste Land. Eine Studie des „Water Footprint Network“ zeigt, dass die Böden von Baumwollplantagen mit Chemi- kalien komplett durchseucht sind. Beim Anbau von Bauwollen werden Unmengen an Pestiziden einge- setzt. 16 Prozent aller Insektizide weltweit werden auf Baumwollfeldern versprüht. Dabei machen diese nur 2,5 Prozent der weltweiten landwirt- schaftlichen Fläche aus. Durch Regen und Bewässe- rung sickern die Substanzen in den Boden. Bei der Produktion von Kunstfaserkleidung gelangt Mikroplastik in Flüsse und Meere. Über 1,4 Billionen Mikrofasern befinden sich nach Schätzungen be- reits in den Ozeanen wovon 35 Prozent aus der Kunstfaserkleidung kommen.

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