Gas

Politisch wird der Gasverbrauch zum Machtausbau genutzt. Dabei haben klassisches Erdgas,

Biogas und Fracking weitaus mehr Nachteile neben der schlechten Klimabilanz.

Gas
In Europa kämpfen Russland um die Fertigstellung der Ostseepipeline, Nord Stream 2 und die USA versucht mit imperialen Methoden ihr Fracking LNG Gas per Schiff in der EU zu vermarkten. Nach Einschätzung von Experten wird der Verbrauch von Erdgas in der EU jedoch nicht mehr wesentlich steigen und muss in den nächsten drei Jahrzehnten sowieso auf null sinken, um die Klimaziele zu erreichen. Laut einer Studie vom Institute for Sustainable Futures (ISF) an der University of Technology Sydney müsste zur Erreichung des Pariser Klimaziels der globale Erdgasverbrauch bis 2025 leicht sinken (- 0,2 Prozent pro Jahr) und zur Erreichung des 1,5-Grad-Ziels ab 2025 deutlich um vier Prozent pro Jahr. Würde dagegen der globale Erdgasverbrauch in den nächsten zwei Dekaden weiter steigen, um jährlich zwei Prozent, so stiege laut ISF-Referenzszenario bei ebenfalls wachsendem Öl- und Kohleverbrauch die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf bis zu fünf Grad im Jahr 2100. Deutschland ist der größte Gasverbraucher in Europa und eine Hauptdrehscheibe des Gashandels in Europa. Die Gasimportkapazitäten (54 Mrd. m³ aus Norwegen, 208 Mrd. m³ aus Russland und rund 25 m³ aus den Niederlanden) zusammen mit den Gasspeicherkapazitäten in Höhe von 24,3 Mrd. m³ übersteigen Deutschlands Jahresverbrauch um mehr als das 3-fache. Deutschland hat auch die größten Erdgasspeicherkapazitäten Europas und die viertgrößten weltweit. Mit dem Anschluss von Nord Stream 2 (NS2) würde die Importkapazität sogar um weitere 55 Mrd. m³ erweitert werden. Es gibt also neben der Energieversorgung auch andere wirtschaftliche Interessen. Wenn man ernsthaft die angestrebten Klimaziele erreichen will, dann ist keine Zeit für Investments in LNG Terminals oder die Nord Stream 2 Pipeline. Man müsste bei den Projekten ohnehin sofort nach Inbetriebnahme mit dem Phase- Out vom fossilen Gas beginnen.
Empfehlen: Social Media kann süchtig und krank machen

7. Quellen

Deutsche Welle, Erdgas ist nicht die Zukunft Food & Water Watch, The urgen case for a ban on fracking Food and Water Watch, Fracking Heinrich Böll Stiftung, Erdgas, Fracking, Klimawandel - Gas ist keine Lösung, sondern Teil des Problems IPCC, Anthropogenic and Natural Radiative Forcing Springer, Achieving the Paris Climate Agreement Goals Energywatchgroup, Erdgas beschleunigt den Klimawandel durch alarmierende Methanemissionen Energywatchgroup, Erdgas leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz Umwelt Bundesamt, Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen Umwelt Bundesamt, Biogasanlagen Sicherheitstechnische Aspekte und Umweltauswirkungen Umwelt Bundesamt, Biogasanlagen Umwelt Bundesamt, Biogasanlagen müssen sicherer und emissionsärmer werden Science Media Center Germany, Weltweite Methan-Emissionen auf Rekordniveau Science Mag, Assessment of methane emissions from the U.S. oil and gas supply chain Atmospheric Chemistry and Physics, Contribution of oil and natural gas production to renewed increase in atmospheric methane (2007–2014): top–down estimate from ethane and methane column observations ACS Publications, Impact to Underground Sources of Drinking Water and Domestic Wells from Production Well Stimulation and Completion Practices in the Pavillion, Wyoming, Field SCRIBD, Science Advances: Intensification of the Water Footprint of Hydraulic Fracturing Huffpost, Fracking Water Use Skyrockets, Creating 1,440 Percent More Toxic Wastewater GEO, Fracking: Das sollten Sie wissen The New York Times, Fracking Firms Fail, Rewarding Executives and Raising Climate Fears Handelsblatt, Das Ende des Fracking-Booms – Pionier unter Gläubigerschutz finanzmarktwelt, Ölpreis: Warum das Drama wohl gerade erst beginnt! Telepolis, Frack off, Amerika! RP-Energie-Lexicon, Flüssigerdgas SYNECO, Biogas-Betreiberschulung: Bewertung der Umweltauswirkungen von Biogasanlagen Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen Zeit Online, Biostrom, nein danke! Rettet den Regenwald e.V., Biogasanlagen sind eine Gefahr für Mensch, Klima und Umwelt WWF, Zukunft Stromsystem II. Regionalisierung der erneubaren Stromerzeugung
futureway Logo futureway Logo
© 2020 futureway Impressum Datenschutzerklärung
Für die Klimaziele* müssen die CO2-Emissionen weltweit schnell sinken *Ziel ist die Begrenzung auf 1,5 bis 2 Grad CO2 Emissionen (Gt pro Jahr) 50 40 30 20 10 0 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 Ein verspäteter Peak gibt uns zu wenig Zeit für die ökonomische Transformation Heutiger Peak gibt uns 25 Jahre Zeit, um die Emissionen auf Null zu senken. Historische Emissionen Peak 2016 Peak 2020 Peak 2025

1. Gefährliches Treibhausgas Methan

Methan (CH4) ist das zweitwichtigste menschengemachte Treibhausgas. Obwohl es im Vergleich zu CO 2 viel weniger freigesetzt wird, ist es für rund ein Drittel der Erderwärmung verantwortlich. "Bei einem Zeithorizont von 20 Jahren ist die Klimawirkung von Methan 86-mal höher als der von Kohlen- dioxid", heißt es in der Analyse zu Erdgas vom Potsdamer Institut für trans- formative Nachhaltigkeitsforschung (IAAS).

2. Erdgas

Erdgas hat vordergründig geringere CO 2 -Emissionen als die von Kohle und Öl. Was jedoch oft nicht berücksichtigt wird, sind die Methanemissionen, die bei der Förderung und dem Transport von Erdgas anfallen. Erdgas besteht aus Methan, das laut Weltklimarat (IPCC) in den ersten 20 Jahren nach seiner Freisetzung einen rund 86-mal stärkeren negativen Klimaeffekt in der Atmosphäre als CO 2 verursacht. Bezogen auf einen Zeitraum von 100 Jahren ist der Klimaeffekt im Vergleich zu CO 2 immer noch 36 Mal stärker. Bereits sehr geringe Mengen des Treibhausgases verursachen somit großen Schaden, wenn sie in die Atmosphäre entweichen. Berechnungen von „Food and Water Watch“ zufolge hat Gas auf 20 Jahre gerechnet eine schlechtere Klimabilanz als Kohle, wenn nur 2,8 Prozent des Gases unverbrannt in die Atmosphäre entweichen. Nach Schätzungen von „Food and Water Watch“, die auf verschiedenen aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichungen und punktuellen Messungen beruhen, liegen die tatsächli- chen Leckageraten deutlich darüber. Dies gilt insbesondere für gefracktes Gas. Die Studie des unabhängigen Berliner Think-and-Do-Tanks Energy Watch Group berechnet die Klimawirkung einer fossilen Substitution durch Erdgas auf Basis der neuesten Forschung zu den Methan- und Kohlendioxidemissionen der gesamten Lieferkette. Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass eventuelle CO 2 -Einsparungen durch die hohen Methanemissionen von Erdgas bei weitem überkompensiert werden, sodass eine Umstellung von Kohle und Erdöl im Strom-, Wärme-, und Verkehrssektor auf Erdgas die höchst negative Klima- wirkung von Kohle und Erdöl sogar noch deutlich übertrifft.

3. Gefracktes Erdgas aus Schiefer

Fracking boomte bis zur Covid 19 Pandemie in den USA. Dabei wird mit Hilfe von Chemikalien und hohem Druck Gestein unterirdisch aufgesprengt und dabei Öl und Erdgas, das hauptsächlich aus Methan besteht, freigesetzt. Dabei wird das Methan nicht komplett aufgefangen und es entweicht viel klimaschädliches Methan in die Atmosphäre. Seit Jahren steigen die Methan-Emissionen rasant: zwanzig Mal schneller als noch vor einem Jahrzehnt. Ein Team von US-Wissenschaftlern aus 16 Forschungseinrichtungen wiesen in einer Studie nach, dass bei der Öl- und Gasförderung in den USA 60 Prozent mehr Methan in die Atmosphäre gelangt, als von der amerikanischen Umwelt- schutzbehörde EPA bisher angenommen. Das sind rund 2,3 Prozent der gesam- ten US-Gasproduktion. Fracking trägt einen besonders großen Teil dazu bei. Nach der Studie macht Fracking rund 33 Prozent des globalen Anstiegs der Methan-Emissionen in den letzten Jahren aus. Weil der Großteil des Frackings in den USA stattfindet, hat die USA im Alleingang rund ein Drittel der zusätzlichen Methanemissionen verursacht. Dies ergeben auch die Satellitendaten, nach denen 30 bis 60 Prozent des zusätzlichen Methanausstoßes zwischen 2002 und 2014 aus den USA kamen. Quellen dieses Fracking-Methans sind dabei die Lecks in Leitungen oder Tanks und auch absichtliche Gasfreisetzungen zur Druckent- lastung von Tanks und Kompressorstationen sowie Notfälle. Die geschätzten 9,4 Millionen Tonnen Fracking Gas Ausstoß pro Jahr entspre- chen nach der Studie einem Schaden für die öffentliche Gesundheit, die Land- wirtschaft und das Klima von 25 bis 55 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das ents- pricht dem gesamten Verkaufswert des Fracking Gases in diesen Jahren. Atmosphärenforscher am Karlsruher Institut für Technologie fanden heraus, dass mindestens 40 Prozent des Methananstiegs zwischen 2007 und 2014, möglicherweise auch mehr, auf die Zunahme der Erdöl- und Erdgasproduktion zurückzuführen sind.

4. Fracking verseucht Grundwasser

Hydraulic Fracking von Öl und Gas beansprucht große Mengen an Grundwasser in den USA, welches durch den Förderungsprozess stark verunreinigt und krebserregend wird. Bei der Förderung des klimaschädlichen Öls und Gas werden bis zu 12 verschie- dene Chemikalien dem Wasser beigefügt, welches gemeinsam mit Quarzsand in den Boden gepresst wird und bewirkt, dass Gestein aufbricht, um das Öl und Gas an die Erdoberfläche zu fördern. Die Chemikalien dienen dazu, dass Gemisch aus Quarzsand zusammenzuhalten und Keime abzutöten. Doch einige der bei- gemischten Stoffe gelten als krebserregend oder anderweitig gesundheits- und umweltschädlich. Welche Chemikalien konkret an den verschiedenen Bohr- löchern eingesetzt werden, geben die Fracking-Unternehmen nicht preis. Die Forscher der Nicholas School of the Environment der Duke University in Durham stellten fest, dass besonders in Regionen, in denen bereits der Klimawandel für eine Abnahme des Grundwassers sorgt, die Fracking-Technologie besonders gefährlich für eine ausreichende Trinkwasserversorgung ist.

5. Konkurswelle von Fracking

Unternehmen 2020

Die Pandemie Covid 19 und der Preisverfall von Erdöl und Gas haben im laufenden Jahr 2020 zu einer Pleitewelle zahlreicher Fracking Firmen geführt. Mit dem Ergebnis, dass zwei Millionen Bohrlöcher in den USA nicht sicher verschlossen sind, sodass das besonders klimaschädliches Methan entweicht. Ein Argument warum die Bohrlöcher nicht verschlossen werden ist, dass die insolventen Gesellschaften kein Geld mehr haben. Einige Manager haben sich wenige Tage vor der Insolvenz noch Bonus in Millionenhöhe gezahlt.

6. Biogas

In Biogasanlagen wird pflanzliches oder tierisches Material mit Hilfe von Bakte- rien unter Ausschluss von Sauerstoff (anaerob) abgebaut, wobei Biogas entsteht. Je nach eingesetzten Material produzieren die Bakterien Biogas mit einem Methangehalt von 50 bis 75 %. Aus diesem kann direkt vor Ort in einem Block- heizkraftwerk Strom und Wärme gewonnen werden oder es kann auf Erdgas- qualität aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist werden. Die beim Abbau entstehenden Gärreste können in der Regel als Dünger in der Landwirtschaft verwertet werden. Was spricht gegen Biogas? Durchschnittlich etwa 5 Prozent des in Biogasanlagen produzierten Methans entweicht unkontrolliert in die Atmosphäre – etwa 300.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Weiterhin werden Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Stick- stoffoxide freigesetzt. Etwa 20 Prozent der Anlagen laufen mit Abfällen, Reststoffen oder Gülle. Die restliche 80 Prozent der Biogasanlagen benutzen als Gärsubstrat eigens dafür angebaute Energiepflanzen und vor allem Mais. Das fördert den industriellen Anbau von Monokulturen. Mais wächst höher als andere Sorten, der Boden wird dadurch kaum noch von der Sonne erreicht. Insekten und Kleinlebewesen und kleinere Pflanzen sind dort nicht zu finden. Ornithologen beobachten seit Jahren einen deutlichen Rückgang vieler Vogelarten in solchen Gebieten. Dieser Artenrückgang betrifft alle Wiesenbrüter und Singvögel. Mäuse fehlen Greif- vögeln als Nahrung und Andere Säugetiere wie Feldhasen und Rehe sind auch betroffen, weil sie in Maisfelder nicht vordringen können. Der breitflächige Anbau von Mais hat zur Folge, dass, dort wo früher Nahrungs- mittel angebaut wurden oder sich Brachflächen erstreckten, heute auf 1,42 Millionen Hektar endlose Maismonokulturen für Biogas genutzt werden und diese das Grundwasser mit Nitraten belasten. Das sind ca. 4% der Gesamtfläche Deutschlands bzw. 8,6 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Eine Analyse des WWF geht davon aus, dass für die Energiewende mit Photovoltaik und Wind- energie maximal 2,5 Prozent der Landesfläche benötigt werden. Bei höherem Photovoltaik-Anteil im Strommix sind es nur zwei Prozent. Der Naturschutz leidet unter dem Ausbau nicht. Nach aktuellen Zahlen der Fachagentur Nach- wachsende Rohstoffe - FNR haben auch 2018 Energiepflanzen für Biogasanlagen den höchsten Anteil am Anbau nachwachsender Rohstoffe. Silomais belegte etwa zwei Drittel dieser Fläche, auf dem anderen Drittel standen weitere Ener- giepflanzen wie Gräser, Getreide, Rüben und Leguminosen oder die Durchwach- sene Silphie. Die Betreiber der Anlagen verdrängen dabei die traditionellen Landwirte, die sich die durch den Biogasboom stark gestiegenen Landpreise nicht mehr leisten können.
Quellen: Global Project, Nature Deutsche Welle

Grundlagen zur

Klimakrise

Fracking Zone
Abbildung: Fracking Zone, Ölpumpe mit Tank, der mit Rohren Erdöl aus dem Unteröl fördert
Atomkraft Politisch wird der Gasverbrauch zum Machtausbau genutzt. Dabei haben klassisches Erdgas, Biogas und Fracking weitaus mehr Nachteile neben der schlechten Klimabilanz.
Empfehlen: Social Media kann süchtig und krank machen

Grundlagen zur

Klimakrise

futureway Logo
© 2020 futureway Impressum & Datenschutzerklärung

1. Gefährliches

Treibhausgas Methan

Methan (CH4) ist das zweitwichtigste menschen- gemachte Treibhausgas. Obwohl es im Vergleich zu CO 2 viel weniger freigesetzt wird, ist es für rund ein Drittel der Erderwärmung verantwortlich. "Bei einem Zeithorizont von 20 Jahren ist die Klima- wirkung von Methan 86-mal höher als der von Kohlendioxid", heißt es in der Analyse zu Erdgas vom Potsdamer Institut für transformative Nachhaltigkeitsforschung (IAAS).

2. Erdgas

Erdgas hat vordergründig geringere CO 2 -Emissionen als die von Kohle und Öl. Was jedoch oft nicht berücksichtigt wird, sind die Methanemissionen, die bei der Förderung und dem Transport von Erdgas anfallen. Erdgas besteht aus Methan, das laut Weltklimarat (IPCC) in den ersten 20 Jahren nach seiner Freisetzung einen rund 86- mal stärkeren negativen Klimaeffekt in der Atmos- phäre als CO 2 verursacht. Bezogen auf einen Zeit- raum von 100 Jahren ist der Klimaeffekt im Ver- gleich zu CO 2 immer noch 36 Mal stärker. Bereits sehr geringe Mengen des Treibhausgases verur- sachen somit großen Schaden, wenn sie in die Atmosphäre entweichen. Berechnungen von „Food and Water Watch“ zufolge hat Gas auf 20 Jahre gerechnet eine schlechtere Klimabilanz als Kohle, wenn nur 2,8 Prozent des Gases unverbrannt in die Atmosphäre entweichen. Nach Schätzungen von „Food and Water Watch“, die auf verschiede- nen aktuellen wissenschaftlichen Veröffentlichun- gen und punktuellen Messungen beruhen, liegen die tatsächlichen Leckageraten deutlich darüber. Dies gilt insbesondere für gefracktes Gas. Die Studie des unabhängigen Berliner Think-and-Do- Tanks Energy Watch Group berechnet die Klimawir- kung einer fossilen Substitution durch Erdgas auf Basis der neuesten Forschung zu den Methan- und Kohlendioxidemissionen der gesamten Lieferkette. Die Studie kommt auch zu dem Ergebnis, dass even- tuelle CO 2 -Einsparungen durch die hohen Methan- emissionen von Erdgas bei weitem überkompen- siert werden, sodass eine Umstellung von Kohle und Erdöl im Strom-, Wärme-, und Verkehrssektor auf Erdgas die höchst negative Klimawirkung von Kohle und Erdöl sogar noch deutlich übertrifft.

3. Gefracktes Erdgas aus

Schiefer

Fracking boomte bis zur Covid 19 Pandemie in den USA. Dabei wird mit Hilfe von Chemikalien und hohem Druck Gestein unterirdisch aufgesprengt und dabei Öl und Erdgas, das hauptsächlich aus Methan besteht, freigesetzt. Dabei wird das Methan nicht komplett aufgefangen und es entweicht viel klimaschädliches Methan in die Atmos- phäre.Seit Jahren steigen die Methan-Emissionen rasant: zwanzig Mal schneller als noch vor einem Jahrzehnt. Ein Team von US-Wissenschaftlern aus 16 Forschungsein- richtungen wiesen in einer Studie nach, dass bei der Öl- und Gasförderung in den USA 60 Prozent mehr Methan in die Atmosphäre gelangt, als von der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA bisher angenommen. Das sind rund 2,3 Prozent der gesamten US-Gasproduktion. Fracking trägt einen besonders großen Teil dazu bei. Nach der Studie macht Fracking rund 33 Prozent des globalen Anstiegs der Methan-Emissionen in den letzten Jahren aus. Weil der Großteil des Frackings in den USA stattfindet, hat die USA im Alleingang rund ein Drittel der zusätzlichen Methanemissionen verursacht. Dies ergeben auch die Satellitendaten, nach denen 30 bis 60 Prozent des zusätzlichen Methanausstoßes zwischen 2002 und 2014 aus den USA kamen. Quellen dieses Fracking- Methans sind dabei die Lecks in Leitungen oder Tanks und auch absichtliche Gasfreisetzungen zur Druckentlas- tung von Tanks und Kompressorstationen sowie Notfälle. Die geschätzten 9,4 Millionen Tonnen Fracking Gas Ausstoß pro Jahr entsprechen nach der Studie einem Schaden für die öffentliche Gesundheit, die Landwirt- schaft und das Klima von 25 bis 55 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Das entspricht dem gesamten Verkaufswert des Fracking Gases in diesen Jahren. Atmosphärenforscher am Karlsruher Institut für Techno- logie fanden heraus, dass mindestens 40 Prozent des Methananstiegs zwischen 2007 und 2014, möglicherweise auch mehr, auf die Zunahme der Erdöl- und Erdgaspro- duktion zurückzuführen sind.

4. Fracking verseucht

Grundwasser

Hydraulic Fracking von Öl und Gas beansprucht große Mengen an Grundwasser in den USA, welches durch den Förderungsprozess stark verunreinigt und krebserregend wird. Bei der Förderung des klimaschädlichen Öls und Gas werden bis zu 12 verschiedene Chemikalien dem Wasser beigefügt, welches gemeinsam mit Quarzsand in den Boden gepresst wird und bewirkt, dass Gestein aufbricht, um das Öl und Gas an die Erdoberfläche zu fördern. Die Chemikalien dienen dazu, dass Gemisch aus Quarzsand zusammenzu- halten und Keime abzutöten. Doch einige der beige- mischten Stoffe gelten als krebserregend oder anderweitig gesundheits- und umweltschädlich. Welche Chemikalien konkret an den verschiedenen Bohrlöchern eingesetzt werden, geben die Fracking- Unternehmen nicht preis. Die Forscher der Nicholas School of the Environment der Duke University in Durham stellten fest, dass besonders in Regionen, in denen bereits der Klimawandel für eine Abnahme des Grundwassers sorgt, die Fracking-Technologie besonders gefährlich für eine ausreichende Trink- wasserversorgung ist.

5. Konkurswelle von

Fracking Unternehmen

2020

Die Pandemie Covid 19 und der Preisverfall von Erdöl und Gas haben im laufenden Jahr 2020 zu einer Pleitewelle zahlreicher Fracking Firmen geführt. Mit dem Ergebnis, dass zwei Millionen Bohrlöcher in den USA nicht sicher verschlossen sind, sodass das besonders klimaschädliches Methan entweicht. Ein Argument warum die Bohrlöcher nicht verschlossen werden ist, dass die insolventen Gesellschaften kein Geld mehr haben. Einige Manager haben sich wenige Tage vor der Insolvenz noch Bonus in Millionenhöhe gezahlt.

6. Biogas

In Biogasanlagen wird pflanzliches oder tierisches Material mit Hilfe von Bakterien unter Ausschluss von Sauerstoff (anaerob) abgebaut, wobei Biogas entsteht. Je nach eingesetzten Material produ- zieren die Bakterien Biogas mit einem Methan- gehalt von 50 bis 75 %. Aus diesem kann direkt vor Ort in einem Blockheizkraftwerk Strom und Wärme gewonnen werden oder es kann auf Erdgasqualität aufbereitet und in das Erdgasnetz eingespeist werden. Die beim Abbau entstehenden Gärreste können in der Regel als Dünger in der Landwirt- schaft verwertet werden. Was spricht gegen Biogas? Durchschnittlich etwa 5 Prozent des in Biogasan- lagen produzierten Methans entweicht unkontro- lliert in die Atmosphäre – etwa 300.000 Tonnen pro Jahr in Deutschland. Weiterhin werden Ammoniak, Schwefelwasserstoff und Stickstoffoxide freigesetzt. Etwa 20 Prozent der Anlagen laufen mit Abfällen, Reststoffen oder Gülle. Die restliche 80 Prozent der Biogasanlagen benutzen als Gärsubstrat eigens dafür angebaute Energiepflanzen und vor allem Mais. Das fördert den industriellen Anbau von Mo- nokulturen. Mais wächst höher als andere Sorten, der Boden wird dadurch kaum noch von der Sonne erreicht. Insekten und Kleinlebewesen und kleinere Pflanzen sind dort nicht zu finden. Ornithologen beobachten seit Jahren einen deutlichen Rückgang vieler Vogelarten in solchen Gebieten. Dieser Arten- rückgang betrifft alle Wiesenbrüter und Singvögel. Mäuse fehlen Greifvögeln als Nahrung und Andere Säugetiere wie Feldhasen und Rehe sind auch betroffen, weil sie in Maisfelder nicht vordringen können. Der breitflächige Anbau von Mais hat zur Folge, dass, dort wo früher Nahrungsmittel angebaut wurden oder sich Brachflächen erstreckten, heute auf 1,42 Millionen Hektar endlose Maismonokultu- ren für Biogas genutzt werden und diese das Grund- wasser mit Nitraten belasten. Das sind ca. 4% der Gesamtfläche Deutschlands bzw. 8,6 % der land- wirtschaftlich genutzten Fläche. Eine Analyse des WWF geht davon aus, dass für die Energiewende mit Photovoltaik und Windenergie maximal 2,5 Prozent der Landesfläche benötigt werden. Bei höherem Photovoltaik-Anteil im Strommix sind es nur zwei Prozent. Der Naturschutz leidet unter dem Ausbau nicht. Nach aktuellen Zahlen der Fachagen- tur Nachwachsende Rohstoffe - FNR haben auch 2018 Energiepflanzen für Biogasanlagen den höch- sten Anteil am Anbau nachwachsender Rohstoffe. Silomais belegte etwa zwei Drittel dieser Fläche, auf dem anderen Drittel standen weitere Energiepflan- zen wie Gräser, Getreide, Rüben und Leguminosen oder die Durchwachsene Silphie. Die Betreiber der Anlagen verdrängen dabei die traditionellen Landwirte, die sich die durch den Biogasboom stark gestiegenen Landpreise nicht mehr leisten können.

7. Quellen

Deutsche Welle, Erdgas ist nicht die Zukunft Food & Water Watch, The urgen case for a ban on fracking Food and Water Watch, Fracking Heinrich Böll Stiftung, Erdgas, Fracking, Klimawandel - Gas ist keine Lösung, sondern Teil des Problems IPCC, Anthropogenic and Natural Radiative Forcing Springer, Achieving the Paris Climate Agreement Goals Energywatchgroup, Erdgas beschleunigt den Klimawandel durch alarmierende Methanemissionen Energywatchgroup, Erdgas leistet keinen Beitrag zum Klimaschutz Umwelt Bundesamt, Nationale Trendtabellen für die deutsche Berichterstattung atmosphärischer Emissionen Umwelt Bundesamt, Biogasanlagen Sicherheitstechnische Aspekte und Umweltauswirkungen Umwelt Bundesamt, Biogasanlagen Umwelt Bundesamt, Biogasanlagen müssen sicherer und emissionsärmer werden Science Media Center Germany, Weltweite Methan-Emissionen auf Rekordniveau Science Mag, Assessment of methane emissions from the U.S. oil and gas supply chain Atmospheric Chemistry and Physics, Contribution of oil and natural gas production to renewed increase in atmospheric methane (2007–2014): top–down estimate from ethane and methane column observations ACS Publications, Impact to Underground Sources of Drinking Water and Domestic Wells from Production Well Stimulation and Completion Practices in the Pavillion, Wyoming, Field SCRIBD, Science Advances: Intensification of the Water Footprint of Hydraulic Fracturing Huffpost, Fracking Water Use Skyrockets, Creating 1,440 Percent More Toxic Wastewater GEO, Fracking: Das sollten Sie wissen The New York Times, Fracking Firms Fail, Rewarding Executives and Raising Climate Fears Handelsblatt, Das Ende des Fracking-Booms – Pionier unter Gläubigerschutz finanzmarktwelt, Ölpreis: Warum das Drama wohl gerade erst beginnt! Telepolis, Frack off, Amerika! RP-Energie-Lexicon, Flüssigerdgas SYNECO, Biogas-Betreiberschulung: Bewertung der Umweltauswirkungen von Biogasanlagen Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, Bioenergie: Möglichkeiten und Grenzen Zeit Online, Biostrom, nein danke! Rettet den Regenwald e.V., Biogasanlagen sind eine Gefahr für Mensch, Klima und Umwelt WWF, Zukunft Stromsystem II. Regionalisierung der erneubaren Stromerzeugung
Für die Klimaziele* müssen die CO2-Emissionen weltweit schnell sinken *Ziel ist die Begrenzung auf 1,5 bis 2 Grad CO2 Emissionen (Gt pro Jahr) 50 40 30 20 10 0 1990 2000 2010 2020 2030 2040 2050 Historische Emissionen Peak 2016 Peak 2020 Peak 2025 Heutiger Peak gibt uns 25 Jahre Zeit, um die Emissionen auf Null zu senken. Ein verspäteter Peak gibt uns zu wenig Zeit für die ökonomische Transformation
Quellen: Global Project, Nature Deutsche Welle
In Europa kämpfen Russland um die Fertigstellung der Ostseepipeline, Nord Stream 2 und die USA versucht mit imperialen Methoden ihr Fracking LNG Gas per Schiff in der EU zu vermarkten. Nach Einschätzung von Experten wird der Verbrauch von Erdgas in der EU jedoch nicht mehr wesentlich steigen und muss in den nächsten drei Jahrzehnten sowieso auf null sinken, um die Klimaziele zu errei- chen. Laut einer Studie vom Institute for Sustainable Futures (ISF) an der University of Technology Syd- ney müsste zur Erreichung des Pariser Klimaziels der globale Erdgasverbrauch bis 2025 leicht sinken (- 0,2 Prozent pro Jahr) und zur Erreichung des 1,5- Grad-Ziels ab 2025 deutlich um vier Prozent pro Jahr. Würde dagegen der globale Erdgasverbrauch in den nächsten zwei Dekaden weiter steigen, um jährlich zwei Prozent, so stiege laut ISF-Referenzszenario bei ebenfalls wachsendem Öl- und Kohleverbrauch die Erderwärmung im Vergleich zur vorindustriellen Zeit auf bis zu fünf Grad im Jahr 2100. Deutschland ist der größte Gasverbraucher in Euro- pa und eine Hauptdrehscheibe des Gashandels in Europa. Die Gasimportkapazitäten (54 Mrd. m³ aus Norwegen, 208 Mrd. m³ aus Russland und rund 25 m³ aus den Niederlanden) zusammen mit den Gas- speicherkapazitäten in Höhe von 24,3 Mrd. m³ über- steigen Deutschlands Jahresverbrauch um mehr als das 3-fache. Deutschland hat auch die größten Erd- gasspeicherkapazitäten Europas und die viertgröß- ten weltweit. Mit dem Anschluss von Nord Stream 2 (NS2) würde die Importkapazität sogar um weitere 55 Mrd. m³ erweitert werden. Es gibt also neben der Energieversorgung auch andere wirtschaftliche Interessen. Wenn man ernsthaft die angestrebten Klimaziele erreichen will, dann ist keine Zeit für Investments in LNG Terminals oder die Nord Stream 2 Pipeline. Man müsste bei den Projekten ohnehin sofort nach Inbetriebnahme mit dem Phase-Out vom fossilen Gas beginnen.
Fracking Zone
Abbildung: Fracking Zone, Ölpumpe mit Tank, der mit Rohren Erdöl aus dem Unteröl fördert