Ethikrat fordert Ende der Massentierhaltung

Der Ethikrat beleuchtet die Frage der Vertretbarkeit industriell-geführter Massentierhaltung

Küken
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Der Deutsche Ethikrat definiert folgende Eckpunkte für einen verantwortlichen Umgang mit Tieren:

1. Tiere haben einen eigenen

moralischen Status

Zumindest höher entwickelte Tiere haben für den Ethikrat einen »Eigenwert«. Ihnen kommt ein moralischer Status zwischen Menschen und Sache zu. Aus diesem ergibt sich eine besondere Schutzwürdigkeit und eine Verantwortung für den Menschen, die seinen Nutzungsinteressen Grenzen setzt. Vor diesem Hintergrund kritisiert der Ethikrat explizit lange Übergangsfristen, z. B. für die betäubungslose Ferkelkastration oder Kastenstände, als »nicht hinnehmbar«. Das Tierwohl darf dem Nutzen für Menschen nicht stets und absolut untergeordnet werden. Besonders ökonomische Gründe reichen nicht, um Tieren zu schaden. Das betont der Ethikrat in seiner Stellungnahme mehrfach. »Tierwohl« umfasst für den Ethikrat »sowohl den körperlichen Zustand von Tieren als auch ihr subjektives Wohlbefinden«. Der Begriff bezeichnet ein breites Spektrum von Zuständen des physischen und psychischen Wohlergehens. Um dieses Wohlergehen zu erkennen, kann man heute auf zahlreiche wissenschaft- liche Erkenntnisse und Methoden zurückgreifen. Der Tierwohl-Begriff des Ethikrats ist somit konkreter als der der Tierindustrie.

2. Menschen müssen für das

Wohlergehen von »Nutztieren«

sorgen

Allen »Nutztieren« muss der Mensch während ihres gesamten Lebens ein »möglichst gutes Gedeihen und Befinden« ermöglichen, so der Ethikrat. Die Kosten dafür hat die gesamte Gesellschaft zu tragen, z. B. durch eine »Tierwohlsteuer« auf Tierprodukte. Menschen können die Schmerzen und Leiden von Tieren oft nicht klar erkennen. Deshalb dürfen sie jedoch nicht einfach davon ausgehen, es gäbe sie nicht. Der Ethikrat betont, dass Tierschutzvorgaben einzuhalten sind und nicht uminterpretiert oder umgangen werden dürfen. Um Unklarheiten zu beseitigen, schlägt er vor, das Tierschutzrecht stärker auf das Tierwohl hin auszurichten. Zudem fordert der Ethikrat, dass Tiere in unserer Gesellschaft besser repräsentiert werden müssen. Die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) für Tierschutzfragen sieht er daher als problematisch an. Konkret empfiehlt der Deutsche Ethikrat, Qualzucht und Verstümmelungen zu verbieten. Überhaupt lehnt er alles ab, was ein artspezifisches Verhalten und Erleben behindert, z. B. enge trostlose Ställe oder die frühe Trennung von Mutter und Kind. Auch fordert er besser ausgebildetes und bezahltes Personal sowie geeignetere Technik, z. B. in Schlachtbetrieben und Transportunterneh- men, und regionale Verarbeitungsketten.

3. Tierliches Leben muss geachtet

und geschützt werden

Wer Tiere halten, züchten, nutzen oder töten möchte, obwohl aus ethischer Sicht vieles dagegenspricht, muss sein Handeln sehr gut begründen. Noch kein ausreichender Grund ist es, so der Ethikrat, dass Menschen sich von Tieren ernähren können oder wollen. Er lehnt Tierprodukte als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung zwar nicht ab, notwendig sind sie seiner Meinung nach jedoch nicht. Auch die Argumente, dass Tiernutzung zu unserer Kultur und Tierprodukte für viele Menschen zu einem »guten Leben« gehören, erkennt der Ethikrat teilweise an. Dies befreit jedoch nicht davon, das eigene Handeln immer wieder neu zu hinterfragen, mahnt er. Tierische Produkte haben einen besonderen Wert, der sich nach Ansicht des Deutschen Ethikrats auch im Preis widerspiegeln sollte. Zudem dürfen Tiere nicht getötet werden, nur weil sie ökonomisch »nutzlos« sind, wie z. B. männliche Küken und Kälber. Landwirtschaftlich genutzte Tiere sollen außerdem vor ihrem Tod eine gewisse Zeit ohne Qualen leben dürfen. Pflanzliche Alternativen zu Fleisch, Milch & Co., aber auch Fleisch aus Zellkultu- ren, begrüßt der Ethikrat als indirekten Beitrag zum Tierwohl. Er wünscht sich, dass fleischfreie Optionen gefördert und öffentliche Einrichtungen dazu verpflichtet werden, sie anzubieten. Auch fordert er eine klare Kennzeichnung der Herkunft und Haltungsbedingungen bei Tierprodukten.

4. Tierwohl ist eine

gesamtgesellschaftliche Aufgabe

Die Eckpunkte umzusetzen, sieht der Deutsche Ethikrat als gesamtgesellschaft- liche Aufgabe. KonsumentInnen alleine hätten z. B. oft nicht die Möglichkeiten, sich für Tierwohl zu entscheiden. Vielmehr sieht der Ethikrat die deutsche und europäische Politik in der Verantwortung, einen »angemessenen strukturierten Transformationsprozess [zu] gestalten« – im Diskurs mit allen AkteurInnen. Besonders die Position der AmtstierärztInnen muss gestärkt werden, so der Ethikrat, um die Umsetzung bestehender Vorgaben besser zu kontrollieren. Der Ethikrat definiert Massentierhaltung »als eine Form der Nutztierhaltung, die durch hohe Tierbestände und eine quasi-industrielle Produktionsform gekennzeichnet ist.« Seine Stellungnahme greift alles an, was diese Industrie ausmacht. Sie deckt alle wichtigen Forderungen von TierschützerInnen ab und ist ein Weckruf an die Politik, die sich seit mehreren Jahrzehnten weitestgehend in den Fängen der Tierindustrie-Lobby befindet.

5. Auch Tiere aus alternativer

Haltung leiden

Auch Tiere aus alternativer Haltung leiden häufig beim Transport und auf dem Schlachthof. Es wäre moralisch sicher akzeptabler, wenn diese Tiere ohne Angst und Schmerzen direkt auf dem Bauernhof getötet werden. Wir sollten mit wachsendem Wissen über die Lebensweisen der Tiere auch sensibler für ihre Leidensfähigkeit sein, und ihnen mit moralischer Rücksicht begegnen. Aber der Mensch ist nur selten ein moralisches Wesen. Er strebt nach Genuss, Profit oder Macht. Das lernen wir ab der Geburt und deshalb sind diese Orientierungen bei vielen Menschen stärker als die Moral. Wenn man den Tierschutz verändern will, müssen schon Kinder für die Gefühle der Tiere sensibilisiert werden und die Medien über das Schicksal der Tiere aufklären.

6. „Die Moral gebietet, auf Fleisch zu

verzichten“

Tiere sind fühlende Wesen. Das wird in der Fleischindustrie vollkommen ausgeblendet. Nahezu alle Formen von Fleischverzehr setzen voraus, dass Tiere nur zu diesem Zweck gezüchtet, in der Regel unter unwürdigen und grausamen Bedingungen gehalten und schließlich getötet werden. Fleisch kann man in fast allen Fällen nur um den Preis haben, dass Tiere gequält werden und die Umwelt zerstört, sowie der Klimawandel beschleunigt wird. Jeder der das realisiert und sich mit den Tieren ernsthaft beschäftigt hat, wird erkennen, dass die Artgrenze zwischen unseren sogenannten „Nutztieren“ und Menschen sehr gering ist und unser Verhalten und Empfinden so ähnlich sind, dass wir nicht das Recht haben diese Wesen auf eine solch qualvolle Weise zu halten und zu töten. Der offensichtliche Unterschied besteht in den unterschiedlichen Fähigkeiten, Bedürfnissen und berechtigten Interessen. Bei artgerechter Tierhaltung und wenn ein Tier am Ende seines Lebens einen artgerechten Tod gefunden hat, spricht sicher nichts dagegen, wenn Fleischliebhaber Fleisch als Delikatesse essen. Inzwischen dürfte jeder wissen, dass Fleisch der mensch- lichen Gesundheit schadet und niemand möchte mit dem Leid der Tiere konfrontiert werden. Das zeige, „dass vielen Menschen Moral wichtig ist.“ Doch lassen sich die meisten Menschen durch Billangeboten der Diskounter immer wieder locken.
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Der Deutsche Ethikrat definiert folgende Eckpunkte für einen verantwortlichen Umgang mit Tieren:

1. Tiere haben einen

eigenen moralischen

Status

Zumindest höher entwickelte Tiere haben für den Ethikrat einen »Eigenwert«. Ihnen kommt ein mora- lischer Status zwischen Menschen und Sache zu. Aus diesem ergibt sich eine besondere Schutzwür- digkeit und eine Verantwortung für den Menschen, die seinen Nutzungsinteressen Grenzen setzt. Vor diesem Hintergrund kritisiert der Ethikrat expli- zit lange Übergangsfristen, z. B. für die betäubungs- lose Ferkelkastration oder Kastenstände, als »nicht hinnehmbar«. Das Tierwohl darf dem Nutzen für Menschen nicht stets und absolut untergeordnet werden. Besonders ökonomische Gründe reichen nicht, um Tieren zu schaden. Das betont der Ethik- rat in seiner Stellungnahme mehrfach. »Tierwohl« umfasst für den Ethikrat »sowohl den körperlichen Zustand von Tieren als auch ihr subjek- tives Wohlbefinden«. Der Begriff bezeichnet ein breites Spektrum von Zuständen des physischen und psychischen Wohlergehens. Um dieses Wohler- gehen zu erkennen, kann man heute auf zahlreiche wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden zurückgreifen. Der Tierwohl-Begriff des Ethikrats ist somit konkreter als der der Tierindustrie.

2. Menschen müssen für

das Wohlergehen von

»Nutztieren« sorgen

Allen »Nutztieren« muss der Mensch während ihres gesamten Lebens ein »möglichst gutes Gedeihen und Befinden« ermöglichen, so der Ethikrat. Die Kosten dafür hat die gesamte Gesellschaft zu tra- gen, z. B. durch eine »Tierwohlsteuer« auf Tierpro- dukte. Menschen können die Schmerzen und Leiden von Tieren oft nicht klar erkennen. Deshalb dürfen sie jedoch nicht einfach davon ausgehen, es gäbe sie nicht. Der Ethikrat betont, dass Tierschutzvorgaben einzuhalten sind und nicht uminterpretiert oder umgangen werden dürfen. Um Unklarheiten zu beseitigen, schlägt er vor, das Tierschutzrecht stär- ker auf das Tierwohl hin auszurichten. Zudem fordert der Ethikrat, dass Tiere in unserer Gesellschaft besser repräsentiert werden müssen. Die Zuständigkeit des Bundesministeriums für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) für Tier- schutzfragen sieht er daher als problematisch an. Konkret empfiehlt der Deutsche Ethikrat, Qualzucht und Verstümmelungen zu verbieten. Überhaupt lehnt er alles ab, was ein artspezifisches Verhalten und Erleben behindert, z. B. enge trostlose Ställe oder die frühe Trennung von Mutter und Kind. Auch fordert er besser ausgebildetes und bezahltes Per- sonal sowie geeignetere Technik, z. B. in Schlacht- betrieben und Transportunternehmen, und regio- nale Verarbeitungsketten.

3. Tierliches Leben muss

geachtet und geschützt

werden

Wer Tiere halten, züchten, nutzen oder töten möchte, obwohl aus ethischer Sicht vieles dage- genspricht, muss sein Handeln sehr gut begründen. Noch kein ausreichender Grund ist es, so der Ethik- rat, dass Menschen sich von Tieren ernähren können oder wollen. Er lehnt Tierprodukte als Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung zwar nicht ab, notwendig sind sie seiner Meinung nach jedoch nicht. Auch die Argumente, dass Tiernutzung zu unserer Kultur und Tierprodukte für viele Menschen zu einem »guten Leben« gehören, erkennt der Ethikrat teilweise an. Dies befreit jedoch nicht davon, das eigene Handeln immer wieder neu zu hinterfragen, mahnt er. Tierische Produkte haben einen besonderen Wert, der sich nach Ansicht des Deutschen Ethikrats auch im Preis widerspiegeln sollte. Zudem dürfen Tiere nicht getötet werden, nur weil sie ökonomisch »nutzlos« sind, wie z. B. männliche Küken und Kälber. Landwirtschaftlich genutzte Tiere sollen außerdem vor ihrem Tod eine gewisse Zeit ohne Qualen leben dürfen. Pflanzliche Alternativen zu Fleisch, Milch & Co., aber auch Fleisch aus Zellkulturen, begrüßt der Ethikrat als indirekten Beitrag zum Tierwohl. Er wünscht sich, dass fleischfreie Optionen gefördert und öffentliche Einrichtungen dazu verpflichtet werden, sie anzubieten. Auch fordert er eine klare Kennzeichnung der Herkunft und Haltungsbedin- gungen bei Tierprodukten.

4. Tierwohl ist eine

gesamtgesellschaftliche

Aufgabe

Die Eckpunkte umzusetzen, sieht der Deutsche Ethikrat als gesamtgesellschaftliche Aufgabe. KonsumentInnen alleine hätten z. B. oft nicht die Möglichkeiten, sich für Tierwohl zu entscheiden. Vielmehr sieht der Ethikrat die deutsche und europäische Politik in der Verantwortung, einen »angemessenen strukturierten Transformations- prozess [zu] gestalten« – im Diskurs mit allen AkteurInnen. Besonders die Position der AmtstierärztInnen muss gestärkt werden, so der Ethikrat, um die Umset- zung bestehender Vorgaben besser zu kontrollieren. Der Ethikrat definiert Massentierhaltung »als eine Form der Nutztierhaltung, die durch hohe Tierbes- tände und eine quasi-industrielle Produktionsform gekennzeichnet ist.« Seine Stellungnahme greift alles an, was diese Industrie ausmacht. Sie deckt alle wichtigen Forderungen von TierschützerInnen ab und ist ein Weckruf an die Politik, die sich seit mehreren Jahrzehnten weitestgehend in den Fängen der Tierindustrie-Lobby befindet.

5. Auch Tiere aus

alternativer Haltung

leiden

Auch Tiere aus alternativer Haltung leiden häufig beim Transport und auf dem Schlachthof. Es wäre moralisch sicher akzeptabler, wenn diese Tiere ohne Angst und Schmerzen direkt auf dem Bauernhof getötet werden. Wir sollten mit wachsendem Wissen über die Lebensweisen der Tiere auch sen- sibler für ihre Leidensfähigkeit sein, und ihnen mit moralischer Rücksicht begegnen. Aber der Mensch ist nur selten ein moralisches Wesen. Er strebt nach Genuss, Profit oder Macht. Das lernen wir ab der Geburt und deshalb sind diese Orientierungen bei vielen Menschen stärker als die Moral. Wenn man den Tierschutz verändern will, müssen schon Kinder für die Gefühle der Tiere sen- sibilisiert werden und die Medien über das Schicksal der Tiere aufklären.

6. „Die Moral gebietet, auf

Fleisch zu verzichten“

Tiere sind fühlende Wesen. Das wird in der Fleisch- industrie vollkommen ausgeblendet. Nahezu alle Formen von Fleischverzehr setzen voraus, dass Tiere nur zu diesem Zweck gezüchtet, in der Regel unter unwürdigen und grausamen Bedingungen gehalten und schließlich getötet werden. Fleisch kann man in fast allen Fällen nur um den Preis haben, dass Tiere gequält werden und die Umwelt zerstört, sowie der Klimawandel beschleunigt wird. Jeder der das realisiert und sich mit den Tieren ernsthaft beschäftigt hat, wird erkennen, dass die Artgrenze zwischen unseren sogenannten „Nutz- tieren“ und Menschen sehr gering ist und unser Verhalten und Empfinden so ähnlich sind, dass wir nicht das Recht haben diese Wesen auf eine solch qualvolle Weise zu halten und zu töten. Der offen- sichtliche Unterschied besteht in den unterschied- lichen Fähigkeiten, Bedürfnissen und berechtigten Interessen. Bei artgerechter Tierhaltung und wenn ein Tier am Ende seines Lebens einen artgerechten Tod gefun- den hat, spricht sicher nichts dagegen, wenn Fleischliebhaber Fleisch als Delikatesse essen. Inzwischen dürfte jeder wissen, dass Fleisch der mensch-lichen Gesundheit schadet und niemand möchte mit dem Leid der Tiere konfrontiert werden. Das zeige, „dass vielen Menschen Moral wichtig ist.“ Doch lassen sich die meisten Menschen durch Billangeboten der Diskounter immer wieder locken.
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