Bildung

Der Einfluss digitaler Endgeräte hat bereits heute großen negativen Einfluss auf die

Entwicklung von Kindern und Jugendlichen.

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Das Wichtigste in Kürze Digitalisierung bedeutet für die Bildung: Drohende Bildungskatastrophe durch Schädigung der geistigen Entwicklung Ursache für Denkschwäche und Kreativitätsverlust Gefährdung von emotionaler Intelligenz, Selbständigkeit und Durchhaltevermögen Daher bis zum 16. Lebensjahr: striktes Handyverbot! Ein neues Erziehungsmodell ist nötig. Statt über digitale Medien mit Menschen und der Natur lernen
Digitaler Stress ist inzwischen zur „Volkskrankheit“ geworden. Und trotzdem werden nun auch die Schulen digitalisiert. So legen wir den Grundstein, dass Kinder Wissen in digitale Geräte auslagern, sich das Gehirn nicht entwickeln kann und digitale Konzerne schon bei Kindern systemverankernd wirken können.

1. Digitale Bildungskatastrophe

Der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer verurteilt digitalen Bildung an Schulen als eine Maßnahme zur Verdummung der Schüler, die zu einer „Bildungs- katastrophe“ führe. Er ist damit nicht alleine. Wissenschaftler wie Prof. Dr. Ralf Lankau, Prof. Dr. Gerald Hüther, Prof. Dr. Klaus Zierer, Prof. Dr. Lembke sowie weitere Wissenschaftler bestätigen die negative Auswirkungen einer digitalen Schulbildung. Zahlreiche Studien wie die OECD Studie, die John Hatties Meta-Studie "Visible Learning" und das Gutachten "Bildung 2030" des Aktionsrats Bildung der Verei- nigung der Bayerischen Wirtschaft zeigen, dass die fortscheitende Digitalisie- rung für die geistige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen schädlich und kontraproduktiv ist. Die Neurobiologin Prof. Dr. Gertraud Teuchert-Noodt empfiehlt, dass Kinder ohne jegliches digitales Spielzeug aufwachsen und bis zum 16. Lebensjahr möglichst ohne Tablet und Smartphone durch die Schule gehen sollen, damit sie zunächst ihre geistige Begabung für den sinnvollen Umgang mit digitalen Medien ausbilden können. Sie erläutert in einem Interview auf die Frage: „Warum lernt das Kind nichts, wenn es mit dem Finger über das Display wischt?“ „Die neuronalen Hintergründe lassen sich knapp auf den Punkt bringen: Brot und Wasser sind zum Leben nötig – Aktivitäten zum Lernen und Denken. Je mehr Aktivitäten den Nervenzellen im Großhirn des Kindes alle Tage wieder zuströmen, desto differenziertere Verschaltungen können sich in den reifenden Nervennetzen anlegen und desto besser können sich das Gedächtnis und das Denken entwickeln. Deswegen wird das Kleinkind von klugen Eltern über Fingerspiele und Basteln dafür vorbereitet, als Schulkind das Schreiben und Lesen spielerisch erlernen zu können. Es ist ein fauler Kompromiss, das Kind zwei Stunden draußen rumtoben zu lassen, um ihm dann eine Computerstunde frei zu geben. Denn sobald das Kind über das Display wischt, werden im Gehirn zwei unangemessene Vorgänge in Gang gesetzt: die jeweils kurzen Zeitfenster für das Reifen von Nervennetzen – für Sprechen, Schreiben, Lesen, Rechnen und zunehmend für Denken und kreatives Planen – können nicht optimal genutzt und nicht hinreichend strukturiert werden. Denn das neuronale Fenster schließt sich alsbald mit fortschreitender Entwicklung und kann die Ausfälle später nur äußerst erschwert nachholen. Eine digitale Verarbeitung beschleunigt die hirneigenen Zeitgeber speziell in dem für das Lernen zuständigen limbischen Kortex. Hier befindliche Leitungs- bahnen und ihre Taktgeber führen ein Wischen über das Tablet einem sich selbst beschleunigenden und verstärkenden Schaltkreis zur Suchtentstehung zu. Das kindliche Gehirn kann es willentlich nicht verhindern, eine geistlose Lust am Wischen zu entwickeln. Sein Gehirn wird regelrecht vergewaltigt und der digitalen Abhängigkeit überlassen. […] Schauen Sie über die Landesgrenzen in Länder wie Südkorea, die Niederlande, einige US-Bundesstaten, Australien, Türkei, in denen man seit mehreren Jahren Erfahrungen zum schulischen Umgang mit Tablets eingeholt hat und sie jetzt wieder aus den Schulen herausholt. Digitalisierung in Schulen führt zu Kreati- vitätsverlust und digitaler Sucht und blockiert das Lernen geradewegs.“

2. Kreative Genies

In einer Studie des World Economic Forums (WEF) zeigte ein Kreativitätstest, der sogenannte "Torrance Tests of Creative Thinking", dass 98% aller Kindergarten- kinder kreative Genies sind. Diese Prozentzahl reduziert sich während der Schul- laufbahn dramatisch. Sie beträgt in einem Alter von 25 Jahren nur noch 3%. Eine englische Studie von Sir Ken Robinson mit 1.500 Kindern bestätigt dieses Ergeb- nis. In der Studie erreichten 98 % der Kinder im Alter von 3-5 Jahren das Level „genial“. Fünf Jahre später im Alter zwischen 8-10 Jahres erreichten nur noch 32 % das Level „genial“ und weitere 5 Jahre später waren die 13-15-jährigen nur noch zu 10 % „genial“. Zur Kontrolle testete man 200.000 Erwachsene ab 25 Jahren, von diesen Erwachsenen erreichten nur noch 2 % das Level „genial“. Daraus lässt sich schließen, dass wir alle die Fähigkeit zum unkonventionellen Denken haben, dieses aber verkümmert. Kreativität ist für die Zukunft eine der wichtigsten Anforderungen. Eine wichtige Aufgabe der Schule wäre es, Schülerinnen und Schüler kritisch auf ein Leben in einer Digitalgesellschaft vorzubereiten und ihnen Kompetenzen zu vermitteln, wie mit der Informationsflut aus den digitalen Medien umzugehen ist, und insbe- sondere zu lernen, wie man diese kontrolliert.

3. Hegemonie der IT-Konzerne

Die Digitalisierung in Schulen wird zwangsläufig dazu führen, dass die jungen Menschen der „manipulativen Hegemonie“ der digitalen Medien ausgesetzt bleiben. Die großen IT-Konzerne mit Angeboten wie Google Classroom, YouTube Lern- kanäle oder Zoom werden weiterhin den Markt für digitale Bildung dominieren, weil sie bereits jetzt die gesamte digitale Ökonomie beherrschen. Sie nehmen mit den in den Schulen gewonnenen Daten vollkommenen Einfluss auf das Leben der Menschen. Die Konzerne können mit dem Einsatz der künstli- chen Intelligenz und ihren allumfassenden Datensammlungen Schüler und ihr Umfeld beliebig manipulieren.

4. Digitalisierte Schulen?

Unsere Gesellschaft muss sich die Frage stellen, ob wir unsere Kinder aufgeben wollen. Mit dem Digitalpakt werden unsere Kinder bewusst verdummt und Wissen wird anstelle im Gehirn auf mobile Geräte auslagert. Im aktuellen Wandel müssen wir Bildungseinrichtungen schaffen, die statt auf Konformität auf Kreativität setzen. Ziel der Schule muss es sein, den Kindern und Jugendlichen lebendige Welter- fahrung zu ermöglichen und bei älteren Schülern das richtige Bewusstsein für den Umgang mit digitalen Medien zu schärfen und ein tiefes Verständnis der Medien und Kommunikationstechnologien zu vermitteln. Nur so können sich selbstbewusste Menschen ohne psychische Schäden entwickeln und die Schüler gleichzeitig lernen, mit dem der unaufhaltsamen Digitalisierung umzugehen.

5. Die beste Lernumgebung

Das wirksamste Lern-Medium für Kinder ist der Mensch und die Natur: Familie, Freunde, Mitschülerinnen und Mitschüler, Erzieherinnen und Erzieher, Lehre- rinnen und Lehrer. Die alle gemeinsam ihre Werte vorleben, die Natur und das empfindliche Ökosystem vermitteln und ihre Erfahrungen durch Gespräche und gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern und Jugendlichen teilen. Kinder und Jugendliche müssen zunächst lernen, ihren Sinnen zu vertrauen und diesen zu folgen, um so die reale Welt mit all ihren Facetten und Unwäg- barkeiten und verschiedenen Kulturen kennenzulernen.

6. Die wichtigen Fähigkeiten

Kinder müssen eine ganze Reihe von Fähigkeiten ausbilden: die Entwicklung feiner Sinne, flexibles und eigenständiges Denken, Kreativität, persönliche Belastbarkeit, emotionale Intelligenz, selbstständiges Lernen und Arbeiten, unmittelbares Empfinden und Erleben, Durchhaltevermögen, die Entwicklung eines freien Zugang zu den eigenen Fantasiekräften, sozialen Umgang lernen, körperliche Gesundheit als wichtiger Lebensfaktor, Resilienz aufbauen, Stress- bewältigungsstrategien, Entwicklung einer freien und selbstverantwortlichen Persönlichkeit. Die Vermittlung der genannten Fähigkeiten ist durch digitale Geräte und Inhalte nicht möglich. Digitale Konsumgüter und Plattformen lassen Kinder und Jugend- liche in virtuelle Welten und Konsummechanismen abtauchen, die ihre Willens- stärke angreifen und Suchtmechanismen auslösen mit der Folge, dass sie in diesen Welten dann Zuflucht suchen. Durch Aufklärung und nur gemeinsam mit den jungen Menschen kann man verhindern, dass sie in eine virtuelle Welt eindringen, die keine Grenzen kennt und viele Abgründe bietet. Die für junge Menschen noch undurchschaubar sind und deren Mechanismen durch Multitasking-Anforderungen und permanente Erreichbarkeit ihren Geist bricht. Zahlreiche Studien belegen, dass die Digitalisierung die körperliche und die seeli- sche Gesundheit schädigt. In der Summe führt die unkontrollierte Digitalisierung bei jungen Menschen zum Verkümmern der Persönlichkeit und zu einem digital Abhängigen und durch Nutzungsgewohnheiten fremdbestimmten Wesen.

7. Lern- und Arbeitsphase

Für die meisten Menschen ist das Leben heute in zwei Teile gesplittet – eine Lern- und eine Arbeitsperiode. In der Lernphase bildet der Mensch eine stabile Identität und lernt persönliche und professionelle Fähigkeiten und in der Arbeits- periode hilft ihm diese Identität und die erworbenen Fähigkeiten Geld zu verdie- nen und der Gesellschaft nützlich zu sein. Dieses Model wird es zukünftig nicht mehr geben. Menschen werden aufgrund der ständigen Veränderungen lebens- lang lernen und sich immer wieder neu erfinden müssen. Dabei wird das Tempo der Veränderung kontinuierlich zunehmen. Diese ständigen Veränderungen führen für viele zur Arbeitslosigkeit und zu einem dauerhaften Stress. Den Luxus von Stabilität im Job und Leben wird es für viele im 21. Jahrhundert nicht mehr geben. Das bedeutet, das Mensch lernen müssen, immer belastbarer zu werden und mit ständig wechselnden Anforde- rungen umzugehen. Die Vermittlung von Kreativität, Emotionale Intelligenz und Belastbarkeit sind Eigenschaften, die ein neues Erziehungsmodell benötigen. Das derzeitige Erziehungsmodell, das noch der industriellen Revolution im 19. Jahrhundert entstammt, wird dies nicht vermitteln. Die historischen Erfahrungen der Elterngeneration gelten nicht mehr für das 21. Jahrhundert. Vieles, was die meisten Eltern über Wirtschaft, Politik oder zwischenmenschliche Beziehungen gelernt haben, lässt sich nicht auf das 21. Jahrhundert übertragen. Die meisten Älteren machen so weiter, wie sie es gelernt haben. Ältere Menschen möchten in der Regel nichts verändern. «Das meiste, was die Kinder heute in der Schule lernen, wird durch die Digitalisierung bedeutungslos werden.» Yuval Noah Harari, Historiker und Bestsellerautor
Publikationen: Grundbegriffe Medienpädagogik. 4., vollständig neu konzipierte Auflage. Hüther, J., Schorb, B. Kopaed Verlag GmbH, München 2005: 345-351 Hände weg vom Handy. Siegle, J. Neue Züricher Zeitung. Digital Junkies. Internetabhängigkeit und ihre Folgen für uns und unsere Kinder. De Wildt, B. Verlagsgruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG, München 2015 Smartphone & Co lassen Kurzsichtigkeit explodieren. Smartphone und Computer gehören zum Alltag. Doch das mensch- liche Auge hält mit dem Fortschritt nicht mit: Das Starren auf Bildschirme gerade in jungen Jahren führt zu einer Epidemie der Kurzsichtigkeit. Stein, A. Welt, 06.09.2015 Media, Social Networking, and Pediatric Obesity, Vandewater, E., Denis, L., 2011. Pediatric Clinics of North America, Vol. 58, Nr. 6, S. 1509-1519 Kinder-Medien-Studie 2019, Breinig, K. Jugendliche Wertkompetenz im Umgang mit Medien. Rath, M., Marci-Boehncke, G. In: von Gottberg J, Prommer E (Hrsg). Verlorene Werte? Medien und die Ent- wicklung von Ethik und Moral. UVK Verlagsgesellschaft mbH, Konstanz 2008: 77-98 Burn Out Kids. Wie das Prinzip Leistung unsere Kinder überfordert. Schulte- Markwort, M., Pattloch Verlag (Verlags- gruppe Droemer Knaur GmbH & Co. KG), München 2015 Mobile phone use and stress, sleep disturbances, and symptoms of depres- sion among young adults – a prospective cohort study, Thomée, S., Härenstam, A., Hagberg, M. 2011. BMC Public Health, 11, 66 Humanismus für digitale Welt. Auswirkungen der digitalen Revolution. Sandner, B. Kinderärztliche Praxis 2015, 86 (1): 6
Noam Chomsky Noam Chomsky Manfred Spitzer Manfred Spitzer

Grundlagen zur

Digitalisierung

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Welche Tätigkeiten führst Du mindestens einmal in der Woche in der Schule an einem Computer durch?  Texte/Wörter schreiben  Etwas im Internet nachlesen/suchen  Ein Lernprogramm nutzen  Ein Programm lernen(z.B. Word, Powerpoint)  Mailen/Nachrichten verschicken  Filme oder Videos zu Unterrichtsthema anschauen  Bildbearbeitung  Eine Präsentation erstellen  Rechnen/Berechnungen durchführen 2016 (n=351) 2018 (n=n.a.)
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Abbildung: Tätigkeiten am Computer durch Kinder in der Schule 2018 . Diese Statistik zeigt eine Umfrage zu den regelmäßigen Tätigkeiten von Kindern am Computer in der Schule. 33 Prozent der befragten PC-Nutzer gaben im Jahr 2018 an, mindestens einmal in der Woche in der Schule einen Text zu schreiben. Hinweise und Anmerkungen Es wurden sowohl Kinder von 6-13 Jahren als auch deren primäre Erziehungspersonen (Haupterzieher) befragt. Diese Statistik beruht auf den Angaben der Kinder. Die Quelle macht keine genauen Angaben zur Fragestellung. Die hier gewählte Formulierung kann daher gegenüber der Befragung leicht abweichen. Quelle: Statista. Veröffentlicht von Bernhard Weidenbach, 22.03.2021
Top 10 Fähigkeiten  Komplexe Problemlösung Kritisches Denken Kreativität Personalmanagement Mit anderen koordinieren Emotionale Intelligenz Beurteilung & Entscheidungsfindung Serviceorientierung Verhandlung Kognitive Flexibilität im Jahr 2020 Komplexe Problemlösung Kritisches Denken Kreativität Personalmanagement Mit anderen koordinieren Qualitätskontrolle Beurteilung & Entscheidungsfindung Serviceorientierung Verhandlung Aktives Zuhören im Jahr 2015 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.  1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.
Abbildung: Top 10 Fähigkeiten im Jahr 2020 und 2015. Quelle: Future of Jobs Report, World Economic Forum
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Das Wichtigste in Kürze Digitalisierung bedeutet für die Bildung: Drohende Bildungskatastrophe durch Schädi- gung der geistigen Entwicklung Ursache für Denkschwäche und Kreativitäts- verlust Gefährdung von emotionaler Intelligenz, Selbständigkeit und Durchhaltevermögen Daher bis zum 16. Lebensjahr: striktes Handyverbot! Ein neues Erziehungsmodell ist nötig. Statt über digitale Medien mit Menschen und der Natur lernen
Digitaler Stress ist inzwischen zur „Volkskrankheit“ geworden. Und trotzdem werden nun auch die Schulen digitalisiert. So legen wir den Grundstein, dass Kinder Wissen in digitale Geräte auslagern, sich das Gehirn nicht entwickeln kann und digitale Konzerne schon bei Kindern systemverankernd wirken können.

1. Digitale

Bildungskatastrophe

Der Neurowissenschaftler Manfred Spitzer verur- teilt digitalen Bildung an Schulen als eine Maßnah- me zur Verdummung der Schüler, die zu einer „Bildungskatastrophe“ führe. Er ist damit nicht alleine. Wissenschaftler wie Prof. Dr. Ralf Lankau, Prof. Dr. Gerald Hüther, Prof. Dr. Klaus Zierer, Prof. Dr. Lembke sowie weitere Wissenschaftler bestäti- gen die negative Auswirkungen einer digitalen Schulbildung. Zahlreiche Studien wie die OECD Studie, die John Hatties Meta-Studie "Visible Learning" und das Gutachten "Bildung 2030" des Aktionsrats Bildung der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft zeigen, dass die fortscheitende Digitalisierung für die geis- tige Entwicklung von Kindern und Jugendlichen schädlich und kontraproduktiv ist. Die Neurobiologin Prof. Dr. Gertraud Teuchert- Noodt empfiehlt, dass Kinder ohne jegliches digita- les Spielzeug aufwachsen und bis zum 16. Lebens- jahr möglichst ohne Tablet und Smartphone durch die Schule gehen sollen, damit sie zunächst ihre geistige Begabung für den sinnvollen Umgang mit digitalen Medien ausbilden können. Sie erläutert in einem Interview auf die Frage: „Warum lernt das Kind nichts, wenn es mit dem Finger über das Display wischt?“ „Die neuronalen Hintergründe lassen sich knapp auf den Punkt bringen: Brot und Wasser sind zum Leben nötig – Aktivitäten zum Lernen und Denken. Je mehr Aktivitäten den Nervenzellen im Großhirn des Kindes alle Tage wieder zuströmen, desto differenziertere Verschaltungen können sich in den reifenden Nervennetzen anlegen und desto besser können sich das Gedächtnis und das Denken entwickeln. Deswegen wird das Kleinkind von klugen Eltern über Fingerspiele und Basteln dafür vorbereitet, als Schulkind das Schreiben und Lesen spielerisch erlernen zu können. Es ist ein fauler Kompromiss, das Kind zwei Stunden draußen rumtoben zu lassen, um ihm dann eine Computer- stunde frei zu geben. Denn sobald das Kind über das Display wischt, werden im Gehirn zwei unangemessene Vorgänge in Gang gesetzt: die jeweils kurzen Zeitfenster für das Reifen von Nervennetzen – für Sprechen, Schreiben, Lesen, Rechnen und zunehmend für Denken und kreatives Planen – können nicht optimal genutzt und nicht hinreichend strukturiert werden. Denn das neuronale Fenster schließt sich alsbald mit fortschreitender Entwicklung und kann die Ausfälle später nur äußerst erschwert nachholen. Eine digitale Verarbeitung beschleunigt die hirneigenen Zeitgeber speziell in dem für das Lernen zuständigen limbischen Kortex. Hier befindliche Leitungsbahnen und ihre Taktgeber führen ein Wischen über das Tablet einem sich selbst beschleunigenden und verstärkenden Schaltkreis zur Suchtentstehung zu. Das kindliche Gehirn kann es willentlich nicht verhindern, eine geistlose Lust am Wischen zu entwickeln. Sein Gehirn wird regelrecht vergewaltigt und der digitalen Abhängigkeit überlassen. […] Schauen Sie über die Landesgrenzen in Länder wie Südkorea, die Niederlande, einige US-Bundes- staten, Australien, Türkei, in denen man seit mehreren Jahren Erfahrungen zum schulischen Umgang mit Tablets eingeholt hat und sie jetzt wieder aus den Schulen herausholt. Digitalisierung in Schulen führt zu Kreativitätsverlust und digita- ler Sucht und blockiert das Lernen geradewegs.“

2. Kreative Genies

In einer Studie des World Economic Forums (WEF) zeigte ein Kreativitätstest, der sogenannte "Torrance Tests of Creative Thinking", dass 98% aller Kindergartenkinder kreative Genies sind. Diese Prozentzahl reduziert sich während der Schullaufbahn dramatisch. Sie beträgt in einem Alter von 25 Jahren nur noch 3%. Eine englische Studie von Sir Ken Robinson mit 1.500 Kindern bestätigt dieses Ergebnis. In der Studie erreichten 98 % der Kinder im Alter von 3-5 Jahren das Level „genial“. Fünf Jahre später im Alter zwischen 8-10 Jahres erreichten nur noch 32 % das Level „genial“ und weitere 5 Jahre später waren die 13-15-jährigen nur noch zu 10 % „genial“. Zur Kontrolle testete man 200.000 Erwachsene ab 25 Jahren, von diesen Erwachsenen erreichten nur noch 2 % das Level „genial“. Daraus lässt sich schließen, dass wir alle die Fähigkeit zum unkonventionellen Denken haben, dieses aber verkümmert. Kreativität ist für die Zukunft eine der wichtigsten Anforderungen. Eine wichtige Aufgabe der Schule wäre es, Schülerinnen und Schüler kritisch auf ein Leben in einer Digitalgesellschaft vorzubereiten und ihnen Kompetenzen zu vermitteln, wie mit der Informationsflut aus den digitalen Medien umzuge- hen ist, und insbesondere zu lernen, wie man diese kontrolliert.

3. Hegemonie der IT-

Konzerne

Die Digitalisierung in Schulen wird zwangsläufig dazu führen, dass die jungen Menschen der „mani- pulativen Hegemonie“ der digitalen Medien ausge- setzt bleiben. Die großen IT-Konzerne mit Angeboten wie Google Classroom, YouTube Lernkanäle oder Zoom werden weiterhin den Markt für digitale Bildung dominieren, weil sie bereits jetzt die gesamte digitale Ökonomie beherrschen. Sie nehmen mit den in den Schulen gewonnenen Daten vollkommenen Einfluss auf das Leben der Menschen. Die Konzerne können mit dem Einsatz der künstlichen Intelligenz und ihren allumfassen- den Datensammlungen Schüler und ihr Umfeld beliebig manipulieren.

4. Digitalisierte Schulen?

Unsere Gesellschaft muss sich die Frage stellen, ob wir unsere Kinder aufgeben wollen. Mit dem Digitalpakt werden unsere Kinder bewusst ver- dummt und Wissen wird anstelle im Gehirn auf mo- bile Geräte auslagert. Im aktuellen Wandel müssen wir Bildungseinrichtungen schaffen, die statt auf Konformität auf Kreativität setzen. Ziel der Schule muss es sein, den Kindern und Jugendlichen lebendige Welterfahrung zu ermögli- chen und bei älteren Schülern das richtige Bewusst- sein für den Umgang mit digitalen Medien zu schärfen und ein tiefes Verständnis der Medien und Kommunikationstechnologien zu vermitteln. Nur so können sich selbstbewusste Menschen ohne psychische Schäden entwickeln und die Schüler gleichzeitig lernen, mit dem der unaufhaltsamen Digitalisierung umzugehen.

5. Die beste Lernumgebung

Das wirksamste Lern-Medium für Kinder ist der Mensch und die Natur: Familie, Freunde, Mitschüle- rinnen und Mitschüler, Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer. Die alle gemeinsam ihre Werte vorleben, die Natur und das empfindliche Ökosystem vermitteln und ihre Erfahrungen durch Gespräche und gemeinsame Aktivitäten mit den Kindern und Jugendlichen teilen. Kinder und Jugendliche müssen zunächst lernen, ihren Sinnen zu vertrauen und diesen zu folgen, um so die reale Welt mit all ihren Facetten und Unwägbarkeiten und verschiedenen Kulturen kennenzulernen.

6. Die wichtigen

Fähigkeiten

Kinder müssen eine ganze Reihe von Fähigkeiten ausbilden: die Entwicklung feiner Sinne, flexibles und eigenständiges Denken, Kreativität, persönliche Belastbarkeit, emotionale Intelligenz, selbstständi- ges Lernen und Arbeiten, unmittelbares Empfinden und Erleben, Durchhaltevermögen, die Entwicklung eines freien Zugang zu den eigenen Fantasiekräften, sozialen Umgang lernen, körperliche Gesundheit als wichtiger Lebensfaktor, Resilienz aufbauen, Stress- bewältigungsstrategien, Entwicklung einer freien und selbstverantwortlichen Persönlichkeit. Die Vermittlung der genannten Fähigkeiten ist durch digitale Geräte und Inhalte nicht möglich. Digitale Konsumgüter und Plattformen lassen Kinder und Jugendliche in virtuelle Welten und Konsummechanismen abtauchen, die ihre Willens- stärke angreifen und Suchtmechanismen auslösen mit der Folge, dass sie in diesen Welten dann Zuflucht suchen. Durch Aufklärung und nur gemeinsam mit den jungen Menschen kann man verhindern, dass sie in eine virtuelle Welt eindringen, die keine Grenzen kennt und viele Abgründe bietet. Die für junge Menschen noch undurchschaubar sind und deren Mechanismen durch Multitasking-Anforderungen und permanente Erreichbarkeit ihren Geist bricht. Zahlreiche Studien belegen, dass die Digitalisierung die körperliche und die seelische Gesundheit schä- digt. In der Summe führt die unkontrollierte Digitalisierung bei jungen Menschen zum Verküm- mern der Persönlichkeit und zu einem digital Abhängigen und durch Nutzungsgewohnheiten fremdbestimmten Wesen.

7. Lern- und Arbeitsphase

Für die meisten Menschen ist das Leben heute in zwei Teile gesplittet – eine Lern- und eine Arbeits- periode. In der Lernphase bildet der Mensch eine stabile Identität und lernt persönliche und professio- nelle Fähigkeiten und in der Arbeitsperiode hilft ihm diese Identität und die erworbenen Fähigkeiten Geld zu verdienen und der Gesellschaft nützlich zu sein. Dieses Model wird es zukünftig nicht mehr geben. Menschen werden aufgrund der ständigen Veränderungen lebenslang lernen und sich immer wieder neu erfinden müssen. Dabei wird das Tempo der Veränderung kontinuierlich zunehmen. Diese ständigen Veränderungen führen für viele zur Arbeitslosigkeit und zu einem dauerhaften Stress. Den Luxus von Stabilität im Job und Leben wird es für viele im 21. Jahrhundert nicht mehr geben. Das bedeutet, das Mensch lernen müssen, immer belast- barer zu werden und mit ständig wechselnden Anforderungen umzugehen. Die Vermittlung von Kreativität, Emotionale Intelligenz und Belastbar- keit sind Eigenschaften, die ein neues Erziehungs- modell benötigen. Das derzeitige Erziehungsmodell, das noch der industriellen Revolution im 19. Jahr- hundert entstammt, wird dies nicht vermitteln. Die historischen Erfahrungen der Elterngeneration gelten nicht mehr für das 21. Jahrhundert. Vieles, was die meisten Eltern über Wirtschaft, Politik oder zwischenmenschliche Beziehungen gelernt haben, lässt sich nicht auf das 21. Jahrhundert übertragen. Die meisten Älteren machen so weiter, wie sie es ge- lernt haben. Ältere Menschen möchten in der Regel nichts verändern. «Das meiste, was die Kinder heute in der Schule lernen, wird durch die Digitalisierung bedeutungslos werden.» Yuval Noah Harari, Historiker und Bestsellerautor
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Abbildung: Tätigkeiten am Computer durch Kinder in der Schule 2018 . Diese Statistik zeigt eine Umfrage zu den regelmäßigen Tätigkeiten von Kindern am Computer in der Schule. 33 Prozent der befragten PC- Nutzer gaben im Jahr 2018 an, mindestens einmal in der Woche in der Schule einen Text zu schreiben. Hinweise und Anmerkungen Es wurden sowohl Kinder von 6-13 Jahren als auch deren primäre Erziehungspersonen (Haupterzieher) befragt. Diese Statistik beruht auf den Angaben der Kinder. Die Quelle macht keine genauen Angaben zur Fragestellung. Die hier gewählte Formulierung kann daher gegenüber der Befragung leicht abweichen. Quelle: Statista. Veröffentlicht von Bernhard Weidenbach, 22.03.2021
Top 10 Fähigkeiten  Komplexe Problemlösung Kritisches Denken Kreativität Personalmanagement Mit anderen koordinieren Emotionale Intelligenz Beurteilung & Entscheidungsfindung Serviceorientierung Verhandlung Kognitive Flexibilität im Jahr 2020 Komplexe Problemlösung Kritisches Denken Kreativität Personalmanagement Mit anderen koordinieren Qualitätskontrolle Beurteilung & Entscheidungsfindung Serviceorientierung Verhandlung Aktives Zuhören im Jahr 2015 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.  1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10.
Abbildung: Top 10 Fähigkeiten im Jahr 2020 und 2015. Quelle: Future of Jobs Report, World Economic Forum
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