Ausblick

Die Verknüpfung von Mensch und Maschine wird genauso Einfluss nehmen, wie die

voranschreitende Machtverschiebung durch Datensammlungen von Staaten und

Unternehmen.

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Das Wichtigste in Kürze Digitalisierung bedeutet für die Zukunft: „Menschmaschine“: Das menschliche Gehirn wird zukünftig durch Brainhacking und Brain-Computer-Interfaces erweitert und durch Algorithmen ersetzt „Digitaler Kolonialismus“: Daten werden weltweit zur umkämpften Ressource Gefahr durch private Datensammlungen außerhalb der staatlichen Kontrolle Gefahr durch Niederschwelligkeit: Die sozialen Transformationsprozesse laufen größtenteils unbemerkt ab

1. Menschmaschine

USA und China eifern um die digitale Weltherrschaft. Dabei spielen künstliche Intelligenz und Biotechnologie eine wesentliche Rolle. Technologiefirmen in China, USA und Europa arbeiten daran, „das menschliche Gehirn digital zu ersetzen“. Dafür steht der Begriff „Brainhacking“. Ein Plan, bei dem viele menschliche Gehirne zu einem großen Mensch-Maschine- Hirn zusammengeschaltet werden. Es ist klar abzusehen, dass wir Menschen dabei unseren freien Willen verlieren werden, wenn in immer direkterer Form Einfluss auf unser Gehirn und damit auf unser Denken, unsere Wahrnehmung, unsere Gefühle und unser Bewusstsein genommen wird. Und es wird auch deutlich, dass die Möglichkeiten zur Manipulation unseres Geistes und damit auch unserer Autonomie immer wahrscheinlicher und auch immer subtiler werden. Der Tesla-und SpaceX-Gründer Elon Musk hat gemeinsam mit acht weiteren Personen im Juli 2016 Neuralink, das US-amerikanisches Neurotechnologie- Unternehmen gegründet. Ziel des Unternehmens ist die Entwicklung eines Gerätes zur Kommunikation zwischen dem menschlichen Gehirn und Compu- tern, ein sogenanntes Brain-Computer-Interface (BCI). Im Rahmen der F8 2017 Konferenz kündigte Facebook die Entwicklung eines Brain-Computer-Interface-Programms (BCI) an. Mit Hilfe des Systems soll eine Software die Hirnströme des Nutzers auslesen, entschlüsseln und schließlich in Text umwandeln. Das französische Unternehmen NextMind hat ein Brain-Computer-Interface erfunden, das Hirnströme in Echtzeit zu virtuellen Handlungen macht. Derzeit befindet sich das Produkt noch in der Entwicklungsphase. Produkttester auf der CES 2020, einer Messe für Neuheiten aus der Tech-Branche – in Las Vegas bestätigten, dass es funktionierte. Es stellt sich die Frage welche Rolle den Menschen in einer global durchdigitali- sierten Weltgesellschaft verbleibt. Werden wir zu Androiden, die auf vielfältige und weitgehend Bequemlichkeit und „Lebensassistenzangebote“ hereinfallen?

2. Digitaler Kolonialismus

Spätestens seit den Snowden-Veröffentlichungen 2013 ist offensichtlich, dass Daten eine neue Bedeutung erlangt haben. Aber die eigentliche relevante Tatsache hinter der Datensammelwut von Überwachungsinstitutionen wie der NSA ist das Agieren privater Akteure. In einer „öffentlich-privaten Überwa- chungspartnerschaft“ profitieren staatliche Institutionen vom privaten Sektor, der den Weg bereitet. Diese Entwicklung ist nicht nur eine neue Phase des Kapitalismus, sondern auch eine neue Form des Kolonialismus. Geschichtlich lag der Kolonialismus in einer massenhaften Aneignung von Ressourcen. Territorien wurden erobert und Menschen wurden versklavt und Werte aus den Ressourcen extrahiert. Im digitalen Kapitalismus ist die Ressour- ce, die sich angeeignet wird, das menschliche Leben, in der Form von Daten. In dieser neuen Phase des Kolonialismus sind Menschen und ihre Daten das Objekt. Wenn wir am digitalen Leben teilhaben wollen, müssen wir die Nutzungsbedin- gungen der Plattformen akzeptieren. Wie treten in Verträge ein, die die wenigs- ten verstehen. Nick Couldry verglich diese Entwicklung mit der spanischen Ero- berung Lateinamerikas, bei der die lokale Bevölkerung gezwungen wurde, die spanischen Forderungen, festgehalten im Requerimiento, zu akzeptieren. Dabei wurden die Einheimischen dazu gezwungen, den Forderungen zuzuhören und ihnen zuzustimmen, obwohl sie die Sprache des Dokuments nicht verstehen konnten. Es gibt entscheidende Parallelen zum historischen Kolonialismus, weil Digital- unternehmen sich Ressourcen aneignen in der Form von Informationen über menschliche Beziehungen, Erfahrungen und Handlungen und es werden soziale Beziehungen kolonialisiert, indem sie zu „Datenbeziehungen“ werden. Dieses Handeln konzentriert sich auf wenige Konzerne, die ihre gesammelten Daten untereinander optimieren. Dieser Prozess geht mit einer Ideologie einher, wel- che sein Wesen verschleiert und ihm einen fortschrittlichen, gesellschaftlichen Rahmen gibt. Der Prozess der Datensammlung verändert den Status von Wissen in unserer Gesellschaft. In vorangegangenen Zeiten wurde über Wissen öffentlich verfügt, es wurde öffentlich finanziert, analysiert und anschließend durch Regierungen und zivilgesellschaftliche Organisation für soziale Reformen genutzt. Das durch Digitalunternehmen entstehende Wissen in Form von Datensamm- lungen wird privat erhoben, analysiert und ist daher nur schwer in Frage zu stel- len. Die private Eigentümerschaft sowie die komplexen und oft undurchsichti- gen Prozesse, unter denen es entsteht, geben den Unternehmen freie Hand, darüber beliebig zu verfügen. Um diese Entwicklung zu stoppen, müssen wir erkennen, dass nichts unvermeid- lich ist, und die aktuelle Entwicklung in Frage stellen. Wir müssen alternative Möglichkeiten suchen. Unsere Medien verteufeln China wegen seiner digitalen Überwachungspolitik, während wir im Westen die gleiche digitale Infrastruktur errichten, die wir nur besser sozialisieren. Der Ideologie des „Dataismus“ entge- genzutreten ist, wie Yuval Harari jüngst herausgestellt hat, „nicht nur die größte wissenschaftliche Herausforderung des 21. Jahrhunderts, sondern auch das drän- gendste politische und ökonomische Projekt“. Die Herausforderung ist so groß, weil der stattfindende soziale Transformationsprozess größtenteils versteckt abläuft.

Grundlagen zur

Digitalisierung

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Das Wichtigste in Kürze Digitalisierung bedeutet für die Zukunft: „Menschmaschine“: Das menschliche Gehirn wird zukünftig durch Brainhacking und Brain- Computer-Interfaces erweitert und durch Algorithmen ersetzt „Digitaler Kolonialismus“: Daten werden welt- weit zur umkämpften Ressource Gefahr durch private Datensammlungen außer- halb der staatlichen Kontrolle Gefahr durch Niederschwelligkeit: Die sozialen Trans-formationsprozesse laufen größtenteils unbemerkt ab

1. Menschmaschine

USA und China eifern um die digitale Weltherrs- chaft. Dabei spielen künstliche Intelligenz und Biotechnologie eine wesentliche Rolle. Technologie- firmen in China, USA und Europa arbeiten daran, „das menschliche Gehirn digital zu ersetzen“. Dafür steht der Begriff „Brainhacking“. Ein Plan, bei dem viele menschliche Gehirne zu einem großen Mensch-Maschine-Hirn zusammenge- schaltet werden. Es ist klar abzusehen, dass wir Menschen dabei unseren freien Willen verlieren werden, wenn in immer direkterer Form Einfluss auf unser Gehirn und damit auf unser Denken, unsere Wahrnehmung, unsere Gefühle und unser Bewusst- sein genommen wird. Und es wird auch deutlich, dass die Möglichkeiten zur Manipulation unseres Geistes und damit auch unserer Autonomie immer wahrscheinlicher und auch immer subtiler werden. Der Tesla-und SpaceX-Gründer Elon Musk hat ge- meinsam mit acht weiteren Personen im Juli 2016 Neuralink, das US-amerikanisches Neurotechnologie- Unternehmen gegründet. Ziel des Unternehmens ist die Entwicklung eines Gerätes zur Kommunikation zwischen dem menschlichen Gehirn und Computern, ein sogenanntes Brain-Computer-Interface (BCI). Im Rahmen der F8 2017 Konferenz kündigte Facebook die Entwicklung eines Brain-Computer- Interface-Programms (BCI) an. Mit Hilfe des Systems soll eine Software die Hirnströme des Nutzers auslesen, entschlüsseln und schließlich in Text umwandeln. Das französische Unternehmen NextMind hat ein Brain-Computer-Interface erfunden, das Hirn- ströme in Echt-zeit zu virtuellen Handlungen macht. Derzeit befindet sich das Produkt noch in der Entwicklungsphase. Produkttester auf der CES 2020, einer Messe für Neuheiten aus der Tech-Branche – in Las Vegas bestätigten, dass es funktionierte. Es stellt sich die Frage welche Rolle den Menschen in einer global durchdigitalisierten Weltgesellschaft verbleibt. Werden wir zu Androiden, die auf vielfäl- tige und weitgehend Bequemlichkeit und „Lebensassistenzangebote“ hereinfallen?

2. Digitaler Kolonialismus

Spätestens seit den Snowden-Veröffentlichungen 2013 ist offensichtlich, dass Daten eine neue Bedeutung erlangt haben. Aber die eigentliche relevante Tatsache hinter der Datensammelwut von Überwachungsinstitutionen wie der NSA ist das Agieren privater Akteure. In einer „öffentlich-priva- ten Überwachungspartnerschaft“ profitieren staat- liche Institutionen vom privaten Sektor, der den Weg bereitet. Diese Entwicklung ist nicht nur eine neue Phase des Kapitalismus, sondern auch eine neue Form des Kolonialismus. Geschichtlich lag der Kolonialismus in einer massen- haften Aneignung von Ressourcen. Territorien wur- den erobert und Menschen wurden versklavt und Werte aus den Ressourcen extrahiert. Im digitalen Kapitalismus ist die Ressource, die sich angeeignet wird, das menschliche Leben, in der Form von Daten. In dieser neuen Phase des Kolonialismus sind Menschen und ihre Daten das Objekt. Wenn wir am digitalen Leben teilhaben wollen, müssen wir die Nutzungsbedingungen der Plattformen akzeptieren. Wie treten in Verträge ein, die die wenigsten verstehen. Nick Couldry verglich diese Entwicklung mit der spanischen Eroberung Latein- amerikas, bei der die lokale Bevölkerung gezwun- gen wurde, die spanischen Forderungen, festge- halten im Requerimiento, zu akzeptieren. Dabei wurden die Einheimischen dazu gezwungen, den Forderungen zuzuhören und ihnen zuzustimmen, ob- wohl sie die Sprache des Dokuments nicht verste- hen konnten. Es gibt entscheidende Parallelen zum historischen Kolonialismus, weil Digitalunternehmen sich Ressourcen aneignen in der Form von Informatio- nen über menschliche Beziehungen, Erfahrungen und Handlungen und es werden soziale Beziehun- gen kolonialisiert, indem sie zu „Datenbeziehun- gen“ werden. Dieses Handeln konzentriert sich auf wenige Konzerne, die ihre gesammelten Daten untereinander optimieren. Dieser Prozess geht mit einer Ideologie einher, welche sein Wesen verschlei- ert und ihm einen fortschrittlichen, gesellschaftli- chen Rahmen gibt. Der Prozess der Datensammlung verändert den Status von Wissen in unserer Gesellschaft. In voran- gegangenen Zeiten wurde über Wissen öffentlich verfügt, es wurde öffentlich finanziert, analy-siert und anschließend durch Regierungen und zivilge- sellschaftliche Organisation für soziale Reformen genutzt. Das durch Digitalunternehmen entstehende Wissen in Form von Datensammlungen wird privat erho- ben, analysiert und ist daher nur schwer in Frage zu stellen. Die private Eigentümerschaft sowie die komplexen und oft undurchsichtigen Prozesse, unter denen es entsteht, geben den Unternehmen freie Hand, darüber beliebig zu verfügen. Um diese Entwicklung zu stoppen, müssen wir erkennen, dass nichts unvermeidlich ist, und die aktuelle Entwick-lung in Frage stellen. Wir müssen alternative Möglichkeiten suchen. Unsere Medien verteufeln China wegen seiner digitalen Überwachungspolitik, während wir im Westen die gleiche digitale Infrastruktur errichten, die wir nur besser sozialisieren. Der Ideologie des „Datais-mus“ entgegenzutreten ist, wie Yuval Harari jüngst her- ausgestellt hat, „nicht nur die größte wissenschaftli- che Herausforderung des 21. Jahrhunderts, sondern auch das drängendste politische und ökonomische Projekt“. Die Herausforderung ist so groß, weil der stattfindende soziale Transforma- tionsprozess größtenteils versteckt abläuft.
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